Sonntag, 6. Juni 2010 11:30
Dass uns Internet-Junkies ausgerechnet in einem hochentwickelten Land wie Neuseeland der Zugang zur Droge Internet so erschwert wird, ist für mich unbegreiflich. Selbst in weniger entwickelten asiatischen Ländern wie Kambodscha, war es günstiger, einfacher und schneller seine tägliche Dosis zu beziehen. Aber da hier schließlich mehr Schafe als Menschen leben, ist das insofern wahrscheinlich nur eine logische Folgerung. Die Leute hier gehen lieber ne Runde Schafe zählen als in Facebook stöbern.
Wobei: seit einigen Jahren hält sich ja dieses Vorurteil, dass das Land voll von Schafen ist. Es sind aber inzwischen nicht mehr die Schafe, die den Hauptanteil der Bevölkerung stellen. Es sind Kühe! Da die Bauern hier immer häufiger auf die rentablere Milchproduktion umstellen, laufen die obligatorischen Schafwitze, die v.a. von Australiern erzählt werden, zunehmend ins Leere. Und wieder müssen wir uns von einem Märchen der Moderne verabschieden.
Mit der noch stark ausgeprägten Nähe zur Natur geht wohl auch einher, dass Städter auf der Insel eher unbeliebt sind. Das liegt vermutlich daran, dass es hier nur ein “richtige” Stadt git, die das Prädikat “Großstadt” verdient: nämlich Auckland. Und aus diesem Grund kann keiner im Land die Auckländer ausstehen. Man muss sich mal vorstellen: in Auckland lebt fast die Hälfte der Einwohner des Landes. D.h. also, dass sich das halbe Land quasi nicht schmecken kann. Die sollten ernsthaft überlegen, um die Stadt eine Demilitarisierte Zone zu errichten.
Wie gut nur, dass es uns Ausländer gibt. Über die können sich Auckländer und Rest-Neuseeländer gleichermaßen amüsieren. Einfache Dinge wie beispielsweise Betten machen können da einen ganzen Tag lang zur Unterhaltung der Insulaner beitragen. Ich verstehe bis heute nicht, warum man hier neben dem üblichen Leintuch, einem Kopfkissen und einer Bettdecke zusätzlich einen Matratzenschoner, eine Schaumstoffauflage, ein Überwurftuch und mindestens 3 weitere Kissen benötigt. Vor lauter Zeug finde ich manchmal kaum Platz in meinem Bett. Geschlafen wird hier aber genauso wie bei uns – glaube ich zumindest. Ich hab mich nicht weiter nachfragen getraut …
Was hier in meiner WG auch gerne zu einem Schmunzeln führt, ist die Tatsache, dass ich Weine mit Korkverschluss bevorzuge, die hier aber eine echte Rarität sind. Ich weiß schon, dass ein Drehverschluss per se nichts über die Qualität eines Weines aussagt, sonst wären hier 95% der Weine für den Gulli. Und so ist es auch immer wieder das selbe Argument, das mir bei dieser Diskussion entgegenschlägt, dass ich doch gerade als Deutscher von den praktischen Vorzügen des Schraubverschlusses angetan sein sollte. Aber mal ehrlich: wenn ich ein romantisches Abendessen veranstalte, stelle ich auch keinen Bauscheinwerfer auf, nur um meine Angebetete und die Antipasti auf dem Teller besser sehen zu können. Darum heißt es ja auch Candle-Light-Dinner und nicht Spot-Light-Dinner.
Wie gesagt, es sind die kleinen Dinge, die das Leben hier so interessant machen. Kleinigkeiten, die im Gegenzug uns Europäer manchmal ein Lächeln ins Gesicht zaubern können. Dinge wie separate Drehwasserhähne, die fast überall viel zu Nahe am Beckenrand montiert sind. Beim Händewaschen frage ich mich jedes mal wieder aufs Neue “Warum nur?” und fühle mich an Helge Schneider erinnert (“Zeig mal deine Hände, die sind kleiner als meine, damit kommst du besser in die Ecken …“) Im Supermarkt werden Beträge einfach schwedisch gerundet, weil es keine 1-Cent-Münzen gibt, wohl aber Cent-genaue Preise. Oder diese seltsame Aussprache, dieser sonderbare gedehnte englische Akzent, der das Englische um eine eigenartige Facette erweitert. Da lässt einen die Ansage, dass es jetzt pochierte Eier gibt, zunächst einmal nur ratlos da stehen und gespannt auf das nun folgende Menü warten. Aus “Eggs” werden “Eeeeeeegs” oder “Bread” wird zu “Breeeeeeed”. Sehr beliebt ist auch das Weglassen von ganzen, sinngebenden Wörtern. “Sweet as” beispielsweise ist ein feststehende Begriff für “cool”, “echt geil” oder wie neuerdings unsere bildungsferne, jüngere Generation sagen würde “voll porno”. Die Rückfrage “sweet as what?” lässt das Fragezeichen nun wieder zum Gegenüber zurückwandern. Klingt komisch – is aber so …
Weitere Bilder von Neuseeland gibts hier:
http://www.suitcasestories.de/bilder/36_new_zealand_tour_02_and_diving