Arrrrrrrrrrrrrrriba!
Samstag, 2. April 2011 12:07
In letzter Zeit erlebte ja, dank der Holywood-Strähne Brad Pitt, ein alter Bekannter wieder sein Comeback: der Schnauzer. In manchen Regionen der Welt war er jedoch noch nie out. In Mexiko zum Beispiel. Ein Zeichen dafür, dass die Mexikaner sich lieber erstmal zur Siesta in den Schatten eines Kaktus legen, bevor sie sich von irgendwelchen schnelllebigen Trends aus der Ruhe bringen lassen. Auch bei anderen Trends zeigen die Mexikaner Zurückhaltung. Allein der Gedanke an ein angeblich mexikanisches Modegetränk, dass Bier- mit Tequila-Geschmack verbindet, lässt einen echten Mexikaner nur angewiedert “Caramba!” rufen.
Dann schon eher einen Schoppen Pulque. Das milchig-schmierige Agaven-Getränk, das wahlweise auch mit diversen mehr oder weniger geschmackvollen Zusätzen serviert wird, findet v.a. beim José-Normal-Mexikaner Anklang. Diesen wiederrum findet man in der Kneipe um’s Eck, wo er sich in Ruhe und unbehelligt von jeder Political Correctness mit seinen Compañeros Toreo-Kämpfe im allgegenwärtigen Fernsehen ansehen kann. Zeigt der Matador nicht die gewünschte Leistung, kann sich die Aufmerksamkeit schnell auf den “zufällig” ebenfalls in der Kneipe seine Pulque schlürfenden Gringo (mich) richten. Hier zeigt sich dann die wahre Natur des Mexikaners: freundlich, mit einer Portion derbem Humor ausgestattet und am Ende in seinem Realitätssinn doch melancholisch.
Driftet die Stimmung zu weit ab, widmet man sich einem weiteren Getränk, das ebenfalls aus der “Jahrhundertpflanze” gewonnen wird: dem Mezcal. Dieser sorgt dann sprichwörtlich – wenn nicht gerade wieder mit irgendwelchen Zusätzen versehen – für mehr Klarheit.
So viel Durchblick ist nur mühsam zu ertragen und sollte schnellstmöglich mit ein paar Tacos, Burritos, Enchiladas oder Tortas relativiert werden. Man kann viel über die Mexikaner sagen, aber kulinarisch lassen sie nichts anbrennen. Die immer gleichen Zutaten – nämlich Bohnen, Fleisch und Salsa – werden in die unterschiedlichsten Teigwarenvarianten gepackt. Dass diese Form der Cocina sich beim ein oder anderen auf die Figur niederschlägt, ist offensichtlich. Dies wiederum kann für einen normalgebauten europäischen Amigo (wie mich) dramatische Konsequenzen haben. Eine achtstündige Reise in einem Nachtbus von Mexico City nach Oaxaca trägt so zum interkulturellen Austausch im besonderen Maße bei. In den Bussitzen, die allen Anschein nach nicht für mexikanische Dimensionen konstruiert wurden, kann man sich so wirklich “näherkommen”. So eingeklemmt, mit einer Backe an der Scheibe klebend, lässt sich die nächtliche Aussicht auf die vorübergleitende mexikanische Landschaft genießen. Und der Soundtrack wird vom schnarchenden Nachbarn gleich mitgeliefert.
Endlich angekommen, kann man dann die neugewonnene Freiheit in vollen Zügen genießen und sich voll auf die an Höhepunkten reichen Kultur Mexikos stürzen. Ob versteinerte Wasserfälle, bunte Kolonial-Städte, wunderschöne Strände, den größten Baum der Welt (präsentiert von mit Spiegeln ausgestatten und unter Drogen stehenden Kindern – fragt nicht … ) oder die schier unglaubliche Anzahl an Museen – in Mexiko ist für jeden was dabei. Oder man besucht eine der unausprechlichen Ruinenstädte. Einlass wird einem nur dann gewährt, wenn man den Namen “Teotihuacán” dreimal hintereinander fehlerfrei aufsagen kann. Acht Stunden Busfahrt zum Üben reichen gerade so.
Bilder aus Mexiko gibt’s hier:
Thema: Mexico, Reise | Kommentare (1)






