Freitag, 21. August 2009 13:37
Sibirien also. Das Land, das bei vielen Russen und ehemaligen Kriegsgefangenen eher Unbehagen hervorrufen dürfte. Meine Erfahrung bezüglich Sibirien sind natürlich von angenehmerer Art und drehen sich weniger um Gulag-Lager oder Stalin. Obwohl: Die Ankunft in Irkutsk hatte schon auch etwas Gezwungenes. Ich bin gegen 6 Uhr morgens dort angekommen und habe mich aufgrund der Feierlichkeiten (siehe Artikel “From Russia with love.”) kurzfristig und natürlich völlig freiwillig dazu entschlossen, die Nacht durch zu machen. Dort endlich angekommen, frei von jeglicher Bettenreservierung (was in Sibirien immer noch fatal enden kann), wollte ich nur noch ein Bett, gerne auch im Gulag-Camp.
Die beiden Schweden Victor und Jakob, die ich im Zug kennengelernt habe, boten mir an mich mit in die Stadt zu nehmen. Da sie eine Tour gebucht hatten, wurden sie vom Bahnhof abgeholt. Ich weiß nicht, ob es an meinem starken deutschen Akzent lag oder an der russischen Bedeutung der Worte “Could you give me a lift to the city.” Allem Anschein nach bedeuten diese Worte im Russischen: “Bitte nimm mich mit auf diese wunderbare, geführte Privat-Tour, erklär mir alles, was wir dort sehen bis ins Detail, geh mit mir in ein Museum und bring mich anschließend zurück in die Stadt, wo ein Bett auf dich wartet und bitte, bitte nimm kein Geld von mir dafür.” So oder so ähnlich muß das geklungen haben. Ich bin mir da ganz sicher. Anders kann ich mir die 8stündige kostenlose Führung zum Baikalsee nicht erklären.
Nach diesem glücklichen Umstand, galts meinen amerikanischen Freund Alex wieder zu treffen, der das englische Pärchen Natalie und Steven im Gepäck hatte. Da waren wir also wieder vier.
Die Stadt Irkutsk wird im Reiseführer als die schönste Stadt Sibiriens angeprießen. Vielleicht gibt es im großen Sibirien keine anderen Städte oder vielleicht hat der Bürgermeister Lonely Planet eine gesunde Spende zukommen lassen, aber als schön würde ich die Stadt nicht bezeichnen. Schön chaotisch triffts wohl eher. Wenn man sich das Treiben auf den Straßen so anschaut, dann sticht einem sofort ins Auge, dass die Hälfte der Fahrzeuge das Lenkrad auf der falschen Seite haben und das, obwohl im ganzen Land Rechtsverkehr herrscht.
Das kann man natürlich nur dann erkennen, wenn man das Getümmel überlebt. Denn scheinbar motiviert die russischen Autofahrer ein Zebrastreifen dazu, auf Fussgänger-Safari zu gehen. Die Lust als totes Zebra zu enden hielt sich für uns in Grenzen, weswegen wir beschloßen die Stadt so schnell wie möglich zu verlassen und die lange Fahrt über Stock und Stein zur Insel Olchon anzutreten.
Bilder von Irkutsk und dem Baikalsee gibt’s hier:
http://www.suitcasestories.de/bilder/06_irkutsk_baikalsee