Beitrags-Archiv für die Kategory 'Transsibirische Eisenbahn'

Digitale Transsib.

Donnerstag, 18. Februar 2010 7:30

Wer keine Zeit hat, Russland auf der legendären Transsib-Strecke zu durchqueren, der kann das ab jetzt bei Google Russland tun:

http://www.google.ru/intl/ru/landing/transsib/en.html

Also: Russland-Flagge umbinden, Wodka und Borschtsch auf den Tisch und los geht’s! Kleiner Tipp: kauft nicht nur eine Flasche Wodka – ihr habt immerhin 150 Stunden Filmmaterial vor Euch.

Thema: Design, Shorts, Transsibirische Eisenbahn | Kommentare (2) | Autor: Tobi

Alles hat seine Grenzen.

Freitag, 25. September 2009 9:12

Es macht immer einen guten Eindruck, wenn man in ein Land kommt und zunächst einmal 5 Stunden lang in einen Zugwagon gesperrt wird, bei geschlossenen Fenstern und – v.a. für die Frauenfraktion noch schlimmer – bei geschlossenen Toiletten. So geschehen beim Fahrgestellwechsel der Transmongolischen Eisenbahn an der Grenze der Mongolei zu China. Man muss sich ja eh fragen, was das ganze Theater soll. Da werden alle Wagons in speziell für den Fahrgestellwechsel vorgesehene Hallen gekarrt, um mit speziell für den Fahrgestellwechsel vorgesehenen Hebebühnen von ihren Fahrgestellen abgehoben zu werden um danach wieder auf für die neue Spurgröße passende – richtig! – Fahrgestelle aufgesetzt zu werden. Auf die Idee, einfach die Meute in einen anderen Zug umsteigen zu lassen, sind die Chinesen wohl noch nicht gekommen. Haben sie sich wohl nirgends abschauen können …

Es wärmt einem auch das Herz, wenn die feinen Herren Soldaten mit professionell-finsterem Blick durch die Züge streifen, um die Temperatur per Infrarot bei jedem Reisenden zu messen. Ja die Schweinegrippe scheint auch hier angekommen zu sein. Und wer weiß schon, mit was für Geviech der europäische Tourist in der Mongolei, dem kulinarischen Mekka Asiens, in Berührung gekommen ist.

“Wärst halt daheim geblieben …”, denkt sich da der ein oder andere. Und – ehrlich – beinahe hätte ich auch alles hingeschmissen. Hätte mir da nicht Väterchen Zufall ein Schnippchen geschlagen. Im Nachbarabteil haben sich nämlich fünf Konstanzer Chinesisch-Studenten, die auf dem Weg zu Ihrem Praktikum nach Shanghai waren, eingenistet. Wenn da keine heimatlichen Gefühle aufgekommen. Da steh ich nun ich armer Tor und bin so weit als wie zuvor (frei nach Goethe).

Krisen bieten ja bekanntlich auch Chancen. Man muss die Chancen nur erkennen und zugreifen. Bzw. gut vorbereitet sein. In meinem Fall verhalf mir ein Multifunktionstool der Extraklasse (Danke Doctor Blues) zum Held des Wagons Nr. 11 im Zug Nr. 24 zu avancieren. Nach dem Motto “Fenster auf, (Klo-)Türe auf, lass den Gefühlen freien Lauf” konnte so das allgemeine Wohlbefinden der Reisenden deutlich gesteigert werden. Mit leeren Blasen und frisch gefüllten Lungen konnte dann die Weiterreise nach Peking angetreten werden.

Damit endet die Transibirische / Transmongolische Route und damit Teil 1 meiner Reise.

Bilder vom letzten Teil gibt’s hier:

http://www.suitcasestories.de/bilder/10_transsib_ulanbator_beijing

Thema: China, Mongolei, Reise, Transsibirische Eisenbahn | Kommentare (0) | Autor: Tobi

Sibirien – Im Land des Gulag.

Freitag, 21. August 2009 13:37

Sibirien also. Das Land, das bei vielen Russen und ehemaligen Kriegsgefangenen eher Unbehagen hervorrufen dürfte. Meine Erfahrung bezüglich Sibirien sind natürlich von angenehmerer Art und drehen sich weniger um Gulag-Lager oder Stalin. Obwohl: Die Ankunft in Irkutsk hatte schon auch etwas Gezwungenes. Ich bin gegen 6 Uhr morgens dort angekommen und habe mich aufgrund der Feierlichkeiten (siehe Artikel “From Russia with love.”) kurzfristig und natürlich völlig freiwillig dazu entschlossen, die Nacht durch zu machen. Dort endlich angekommen, frei von jeglicher Bettenreservierung (was in Sibirien immer noch fatal enden kann), wollte ich nur noch ein Bett, gerne auch im Gulag-Camp.

Die beiden Schweden Victor und Jakob, die ich im Zug kennengelernt habe, boten mir an mich mit in die Stadt zu nehmen. Da sie eine Tour gebucht hatten, wurden sie vom Bahnhof abgeholt. Ich weiß nicht, ob es an meinem starken deutschen Akzent lag oder an der russischen Bedeutung der Worte “Could you give me a lift to the city.” Allem Anschein nach bedeuten diese Worte im Russischen: “Bitte nimm mich mit auf diese wunderbare, geführte Privat-Tour, erklär mir alles, was wir dort sehen bis ins Detail, geh mit mir in ein Museum und bring mich anschließend zurück in die Stadt, wo ein Bett auf dich wartet und bitte, bitte nimm kein Geld von mir dafür.” So oder so ähnlich muß das geklungen haben. Ich bin mir da ganz sicher. Anders kann ich mir die 8stündige kostenlose Führung zum Baikalsee nicht erklären.

Nach diesem glücklichen Umstand, galts meinen amerikanischen Freund Alex wieder zu treffen, der das englische Pärchen Natalie und Steven im Gepäck hatte. Da waren wir also wieder vier.

Die Stadt Irkutsk wird im Reiseführer als die schönste Stadt Sibiriens angeprießen. Vielleicht gibt es im großen Sibirien keine anderen Städte oder vielleicht hat der Bürgermeister Lonely Planet eine gesunde Spende zukommen lassen, aber als schön würde ich die Stadt nicht bezeichnen. Schön chaotisch triffts wohl eher. Wenn man sich das Treiben auf den Straßen so anschaut, dann sticht einem sofort ins Auge, dass die Hälfte der Fahrzeuge das Lenkrad auf der falschen Seite haben und das, obwohl im ganzen Land Rechtsverkehr herrscht.

Das kann man natürlich nur dann erkennen, wenn man das Getümmel überlebt. Denn scheinbar motiviert die russischen Autofahrer ein Zebrastreifen dazu, auf Fussgänger-Safari zu gehen. Die Lust als totes Zebra zu enden hielt sich für uns in Grenzen, weswegen wir beschloßen die Stadt so schnell wie möglich zu verlassen und die lange Fahrt über Stock und Stein zur Insel Olchon anzutreten.

Bilder von Irkutsk und dem Baikalsee gibt’s hier:

http://www.suitcasestories.de/bilder/06_irkutsk_baikalsee

Thema: Reise, Russland, Transsibirische Eisenbahn | Kommentare (1) | Autor: Tobi

From Russia with love.

Freitag, 21. August 2009 12:57

Es ist schon verblüffend, wie schnell man sich anfreunden kann, obwohl die Sprachschnittstellen minimal sind. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten: 4 Tage zusammengepfercht in der Tranissibirischen Eisenbahn reichen völlig aus, um zunächst finster dreiblickende russische Soldaten in ausgelassen einen Deutschen feiernde Menschen wie du und ich zu verwandeln. Umgekehrt wird der Russland-kritische, eher pazifistisch eingestellte Deutsche zum adoptierten Halbrussen, der die russische Nationalhymne mitbrummelt. 4 Tage intimer Enge reichen aus. In meinem Fall gnadenloser Enge. Dazu muss ich kurz das Prinzip der transsibirischen Eisenbahn erläutern:

In der Transsib gibt es drei Klassen:
Die 1. Klasse  besteht aus 2-Bett-Abteilen (sog. Coupes). Die ist unter Backpackern grundsätzlich quasi eine persona non grata und wird demnach ignoriert.
Die Reisenden der 2. Klasse (4-Bett-Coupes) werden von Backpackern, die es nur bis zur Platzkarty geschafft haben, also 3. Klasse mit offenen Abteilen (von den 2. Klasse-Backpackern auch Chicken-Train genannt), als Champagner-trinkender und Kaviar-fressender Snob verlacht.

In meinem speziellen Fall kann aber vom erhofften “Luxus” der 2. Klasse kein Rede sein. Zu Hochzeiten saßen bis zu acht gestandene Soldaten in meine Abteil, das dann einer einzigen Fressbude glich. Die feinen Herren waren alle auf dem Weg zur mongolischen Grenze, um dort ihren Dienst an der Grenze anzutreten.  Entsprechend wurden sie kulinarisch von ihren Frauen bzw. Müttern versorgt. Das Coupe ist vor lauter (mehr oder weniger interessanten) Leckereien buchstäblich aus allen Nähten geplatzt. Und ich nach Aufnahme in die Familie ebenso.

Wer sich also – wie ich – auf vier ruhige Tage, des Meditierens und in sich Gehens, der Muse und des Studierens solch bedeutender Literatur wie “Der Mann ohne Eigenschaften” von Robert Musil oder Albert Einsteins Weltbild, eingestellt hat, wurde schnell eines besseren belehrt.

Keine Sekunde Langeweile kommt auf, wenn man so tief in die russische Seele blicken durfte wie ich. Der Höhepunkt der vier Tage dauernden Festlichkeiten war dann die Übereichung der handsignierten russischen Nationalflagge mit anschliessendem Appell, was dann anschließend in einer Parade auf dem Irkutsker Bahnhof gipfelte. Während ich nämlich noch meine sieben Sachen zusammenraffen musste, stiegen die Jungs bereits aus und feierten meine Ankunft frenetisch, sobald ich am Ausstieg des Wagons erschien. So muss sich also Lenin gefühlt haben, als er aus seinem Schweizer Exil nach St. Petersburg zurückkehrte.

Bilder zum ersten Abschnitt der Transsibirischen Eisenbahn gibt’s hier:

http://www.suitcasestories.de/bilder/05_transsib_moskau_irkutsk

Thema: Reise, Russland, Transsibirische Eisenbahn | Kommentare (2) | Autor: Tobi