Beitrags-Archiv für die Kategory 'Russland'

Echte Männer.

Donnerstag, 27. August 2009 5:58

baikal

Jeder der mich kennt, weiß dass ich eine absolute Sportskanone bin. Ich lebe Sport, ich liebe Sport, ich bin Sport. Deswegen möchte ich euch hier einmal an einem dieser für mich typischen Tage voll sportlicher Ertüchtigung teilhaben lassen. Heute auf dem Programm: Eine Fahrradtour für Beginner zum gelben See der Mannesstärke auf der Insel Olchon im Baikalsee – ein kleines Protokoll wahrhaftiger Männlichkeit:

Teilnehmer:
A (Alex – der Amerikaner)
S (Sophie – die Polin)
N&S (Natalie & Steve – das englische Paar)
TB (das bin ich – Name v. d. Redaktion geändert)

11.03 Uhr: TB betritt vor Testosteron strotzend das “Rent a Bike”-Center der Insel Olchon. A und N&S folgen in vorsichtiger Demut.

11.25 Uhr: Die Auswahl der Fahrräder belustigt TB. Er entscheidet sich für den Typ “Iron Man” – wer braucht schon Stoßdämpfer.

11.33 Uhr: Um 500 Rubel erleichtert, steuert TB den nächsten Supermarkt an um das fehlende Gewicht in seinem Geldbeutel durch Wasserflaschen auszugleichen. Essen und Sonnenschutz packen nur Schwächlinge ein.

11.50 Uhr: S stößt zur Gruppe hinzu.

12.05 Uhr: Aufbruch

12.15 Uhr: Erste Bergetappe: TB hält 50m Abstand zum führenden A – natürlich aus reiner Höflichkeit.

12.30 Uhr: Pause am Gipfel des Berges. TB wehrt sich vehement dagegen, leider zwecklos.

12.40 Uhr: S und N&S erreichen den Gipfel. Zumindest im Wettbewerb um die rötesten Köpfe liegen N&S vorne.

13:00 Uhr: der erste Abstieg beginnt. TB führt das Feld frei von jeder Emotion an.

13:08 Uhr: Bergetappe 2: TB hält aus Gründen der Motivation seines Mitfahrers einen Abstand von 200 m zu A. Die Führung der Gruppe scheint A zu beflügeln.

13:27 Uhr: vehementer Protest TBs gegen die Pause am zweiten Gipfel. TB argumentiert mit Darwins Gesetzen – zwecklos.

13:45 Uhr: S erreicht den zweiten Gipfel. N&S beenden die Tour als Sieger in der Wertung um die rotesten Köpfe. Die Rotskala des Bewertungsbogens wird um die Farbe Infrarot erweitert.

14.17 Uhr: Bergetappe 3: TB muss aufgrund von schlechter Straßenverhältnisse schieben. Das ist ein Skandal. Nicht, dass die zusätzliche Erschwernis TB beeindrucken würde – er möchte nur professionelle Rahmenbedingungen vorfinden.

14.35 Uhr: Bei der erneut unfreiwilligen Pause am Gipfel diskutieren A und TB eine Klage vor dem zuständigen Sportgericht wegen unzumutbarer Straßenverhältnisse.

14.57 Uhr: TB wird beinahe Opfer eines herannahenden Busses. TB beschliesst zu schieben. Scheinbar bebt die Erde, denn TBs Beine zittern.

15.18 Uhr: Abfahrt mit hohem Tempo. TB erreicht nahezu Lichtgeschwindigkeit.

15.23 Uhr: Bergetappe 4: TB schiebt sein Fahrrad, um das Material zu schonen.

15.46 Uhr: Ein Eingeborener bestätigt die virile Wirkung des angesteuerten Sees. Noch 30 Minuten zum Ziel (nach russischer Zeitrechnung).

16:10 Uhr: TB schiebt, da sich Gang 3 und 4 verabschiedet haben. Materialschonung ist alles. TB ist stolz auf seine taktische Leistung.

16:18 Uhr: TB denkt, während er schiebt, über Chuck Norris nach.

16:31 Uhr: TB schiebt.

16:35 Uhr: TB lässt A einen Vorsprung von 436 m. TB spielt seine gesamte Menschenkenntnis aus. Er weiß wie man Menschen motiviert.

16:59 Uhr: TB merkt bei der letzten Abfahrt in gewohnt hohem Tempo, dass seine Haut der Belastung solch hoher Geschwindigkeiten nicht gewachsen ist. Seine Haut färbt sich aufgrund der Reibung am Wind zusehends rot.

17:13 Uhr: Ankunft am See der Manneskraft. Die Gelbfärbung des Sees empfindet TB als angenehme Ergänzung zu seiner immer deutlicher hervortretenden rötlichen Hautfarbe. TB ist der erste im Wasser. Die Wassertemperatur beträgt mindestens – 27° C – aber Kälte ist kein Gegner für TB.

17.35 Uhr: Aufbruch

17.38 Uhr: Bergauf muss TB sein Fahrrad schon wieder schieben. Die Gegend ist einfach landschaftlich zu schön, um an ihr vorbeizurauschen.

17.45 Uhr: der Höflichkeitsabstand zu A beträgt 723 m.

18.03 Uhr: der Höflichkeitsabstand zu A beträgt 1230 m.

18.27 Uhr: A, S und TB entscheiden sich die skandalösen Straßenverhältnisse hinter sich zu lassen und querfeldein zu fahren.

18.58 Uhr: TB schiebt sein Rad, um die reizvolle Landschaft zu würdigen. Der Höflichkeitsabstand beträgt 1,5 km. Motivation ist alles.

19.34 Uhr: zurück auf der regulären Straße. Die Klageschrift wegen amateurhafter Straßenverhältnisse treibt nun auch TB die Röte ins Gesicht.

20.15 Uhr: TB schiebt nun auch auf geraden Stücken. Die Landschaft ist unbeschreiblich.

20.45 Uhr: TB nutzt das leuchtende Rot seiner Haut, um Kinder bei der einsetzenden Dunkelheit sicher über die Straße zu bringen.

21.00 Uhr: A erreicht das Ziel.

21.35 Uhr: TB erreicht das Ziel mit einem Abstand von 3,5 km auf A.

21.45 Uhr: S erreicht das Ziel.

TB ist natürlich Sieger der Herzen. Er möchte seinen “Sieg” (schweigsam wie er ist) im Stillen genießen.

Bilder von der Insel Olchon und dem Baikalsee gibt’s hier:

http://www.suitcasestories.de/bilder/07_insel_olchon

Thema: Reise, Russland | Kommentare (5) | Autor: Tobi

Sibirien – Im Land des Gulag.

Freitag, 21. August 2009 13:37

Sibirien also. Das Land, das bei vielen Russen und ehemaligen Kriegsgefangenen eher Unbehagen hervorrufen dürfte. Meine Erfahrung bezüglich Sibirien sind natürlich von angenehmerer Art und drehen sich weniger um Gulag-Lager oder Stalin. Obwohl: Die Ankunft in Irkutsk hatte schon auch etwas Gezwungenes. Ich bin gegen 6 Uhr morgens dort angekommen und habe mich aufgrund der Feierlichkeiten (siehe Artikel “From Russia with love.”) kurzfristig und natürlich völlig freiwillig dazu entschlossen, die Nacht durch zu machen. Dort endlich angekommen, frei von jeglicher Bettenreservierung (was in Sibirien immer noch fatal enden kann), wollte ich nur noch ein Bett, gerne auch im Gulag-Camp.

Die beiden Schweden Victor und Jakob, die ich im Zug kennengelernt habe, boten mir an mich mit in die Stadt zu nehmen. Da sie eine Tour gebucht hatten, wurden sie vom Bahnhof abgeholt. Ich weiß nicht, ob es an meinem starken deutschen Akzent lag oder an der russischen Bedeutung der Worte “Could you give me a lift to the city.” Allem Anschein nach bedeuten diese Worte im Russischen: “Bitte nimm mich mit auf diese wunderbare, geführte Privat-Tour, erklär mir alles, was wir dort sehen bis ins Detail, geh mit mir in ein Museum und bring mich anschließend zurück in die Stadt, wo ein Bett auf dich wartet und bitte, bitte nimm kein Geld von mir dafür.” So oder so ähnlich muß das geklungen haben. Ich bin mir da ganz sicher. Anders kann ich mir die 8stündige kostenlose Führung zum Baikalsee nicht erklären.

Nach diesem glücklichen Umstand, galts meinen amerikanischen Freund Alex wieder zu treffen, der das englische Pärchen Natalie und Steven im Gepäck hatte. Da waren wir also wieder vier.

Die Stadt Irkutsk wird im Reiseführer als die schönste Stadt Sibiriens angeprießen. Vielleicht gibt es im großen Sibirien keine anderen Städte oder vielleicht hat der Bürgermeister Lonely Planet eine gesunde Spende zukommen lassen, aber als schön würde ich die Stadt nicht bezeichnen. Schön chaotisch triffts wohl eher. Wenn man sich das Treiben auf den Straßen so anschaut, dann sticht einem sofort ins Auge, dass die Hälfte der Fahrzeuge das Lenkrad auf der falschen Seite haben und das, obwohl im ganzen Land Rechtsverkehr herrscht.

Das kann man natürlich nur dann erkennen, wenn man das Getümmel überlebt. Denn scheinbar motiviert die russischen Autofahrer ein Zebrastreifen dazu, auf Fussgänger-Safari zu gehen. Die Lust als totes Zebra zu enden hielt sich für uns in Grenzen, weswegen wir beschloßen die Stadt so schnell wie möglich zu verlassen und die lange Fahrt über Stock und Stein zur Insel Olchon anzutreten.

Bilder von Irkutsk und dem Baikalsee gibt’s hier:

http://www.suitcasestories.de/bilder/06_irkutsk_baikalsee

Thema: Reise, Russland, Transsibirische Eisenbahn | Kommentare (1) | Autor: Tobi

From Russia with love.

Freitag, 21. August 2009 12:57

Es ist schon verblüffend, wie schnell man sich anfreunden kann, obwohl die Sprachschnittstellen minimal sind. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten: 4 Tage zusammengepfercht in der Tranissibirischen Eisenbahn reichen völlig aus, um zunächst finster dreiblickende russische Soldaten in ausgelassen einen Deutschen feiernde Menschen wie du und ich zu verwandeln. Umgekehrt wird der Russland-kritische, eher pazifistisch eingestellte Deutsche zum adoptierten Halbrussen, der die russische Nationalhymne mitbrummelt. 4 Tage intimer Enge reichen aus. In meinem Fall gnadenloser Enge. Dazu muss ich kurz das Prinzip der transsibirischen Eisenbahn erläutern:

In der Transsib gibt es drei Klassen:
Die 1. Klasse  besteht aus 2-Bett-Abteilen (sog. Coupes). Die ist unter Backpackern grundsätzlich quasi eine persona non grata und wird demnach ignoriert.
Die Reisenden der 2. Klasse (4-Bett-Coupes) werden von Backpackern, die es nur bis zur Platzkarty geschafft haben, also 3. Klasse mit offenen Abteilen (von den 2. Klasse-Backpackern auch Chicken-Train genannt), als Champagner-trinkender und Kaviar-fressender Snob verlacht.

In meinem speziellen Fall kann aber vom erhofften “Luxus” der 2. Klasse kein Rede sein. Zu Hochzeiten saßen bis zu acht gestandene Soldaten in meine Abteil, das dann einer einzigen Fressbude glich. Die feinen Herren waren alle auf dem Weg zur mongolischen Grenze, um dort ihren Dienst an der Grenze anzutreten.  Entsprechend wurden sie kulinarisch von ihren Frauen bzw. Müttern versorgt. Das Coupe ist vor lauter (mehr oder weniger interessanten) Leckereien buchstäblich aus allen Nähten geplatzt. Und ich nach Aufnahme in die Familie ebenso.

Wer sich also – wie ich – auf vier ruhige Tage, des Meditierens und in sich Gehens, der Muse und des Studierens solch bedeutender Literatur wie “Der Mann ohne Eigenschaften” von Robert Musil oder Albert Einsteins Weltbild, eingestellt hat, wurde schnell eines besseren belehrt.

Keine Sekunde Langeweile kommt auf, wenn man so tief in die russische Seele blicken durfte wie ich. Der Höhepunkt der vier Tage dauernden Festlichkeiten war dann die Übereichung der handsignierten russischen Nationalflagge mit anschliessendem Appell, was dann anschließend in einer Parade auf dem Irkutsker Bahnhof gipfelte. Während ich nämlich noch meine sieben Sachen zusammenraffen musste, stiegen die Jungs bereits aus und feierten meine Ankunft frenetisch, sobald ich am Ausstieg des Wagons erschien. So muss sich also Lenin gefühlt haben, als er aus seinem Schweizer Exil nach St. Petersburg zurückkehrte.

Bilder zum ersten Abschnitt der Transsibirischen Eisenbahn gibt’s hier:

http://www.suitcasestories.de/bilder/05_transsib_moskau_irkutsk

Thema: Reise, Russland, Transsibirische Eisenbahn | Kommentare (2) | Autor: Tobi

Der rote Faden.

Sonntag, 9. August 2009 10:04

Die Corporate Identity dieser Stadt hat mich schwer beeindruckt. Ich habe selten eine Stadt so sehr mit einer Farbe verbunden wie Moskau.

Für mich ist Moskau rot.

Rot zieht sich durch dieses Stadt wie der sprichwörtlich rote Faden. Das fängt schon beim Zug an, mit dem ich aus St. Petersburg angekommen bin: Der legendäre Rote Pfeil. Der macht seinem Namen auch alle Ehre. Zum einen kommt man ziemlich schnell an (gerade mal 8 Stunden) zum anderen ist alles an diesem Zug rot. Rote Betten, roter Teppich, rote Lackierung, rote Gedanken … Die eigentliche Besonderheit bei diesem Zug ist aber, dass man von einer Kapelle mit russischen Weisen am Bahnhof empfangen wird. Klingt gut oder?

Die Zugfahrt selbst hat mir Dimitri verkürzt, ein leicht angetrunkener 30jähriger Moskauer, der auf dem Heimweg von seiner Familie war. Er war so nett und hat sein ziemlich angestaubtes Englisch für mich ausgepackt.

Der Grundton dieser Unterhaltung war folgender:

1. Du bist verrückt, dass du in deinem Alter noch keine Kinder hast.

2. Du bist verrückt, weil du nach Sibirien fährst.

3. Du bist verrückt, weil du das machst und kein Russisch kannst.

4. Du bist verrückt.

Die Unterhaltung war zwar recht begrenzt (“My English is weak, but your Russian is worse.”), aber wir haben es doch fertig gebracht über alles Mögliche uns auszutauschen. Um mir wenigstens den Start in Moskau zu vereinfachen, ist er mit mir zu meiner Metro-Station gefahren und hat sich dann kopschüttelnd und mit einem Lächeln, das ich bei den Russen noch öfters zu sehen bekommen werde, verabschiedet.

Ich bin mir sicher, dass ich meine Metro-Station auch selbst gefunden hätte. Ich hätte ja nur dem roten Faden, ähm der roten Metro-Linie folgen müssen, die nebenbei bemerkt auch noch am Moskauer Highlight, dem Roten Platz vorbei kommt. Ich hab gelesen, dass das Wort “rot” im altrussischen auch “schön” bedeutet und deswegen der Rote Platz eigentlich “Schöner” Platz heißen müsste. Ich glaube aber, dass das mit dem Rot schon seine Richtigkeit hat. Man wird nämlich ziemlich rot, wenn man zu lange vor dem Roten Platz in der Sonne liegt. Ich hab’s selber ausprobiert. Ehrlich!

Zum Glück ist die Polizei aber sehr um das Wohl seiner ausländischen Gäste besorgt. Das äußert sich dann so, dass man einen Springerstiefel in die Rippen gehauen bekommt, wenn man zu lange vor sich hindöst (Zitat: “No sleeping”). Das ist sozusagen Hautkrebsvorsorge auf Russisch. Das Trinken von Bier auf dem Roten Platz fällt auch in das Raster solcher Präventiv-Maßnahmen für Ausländer (Zitat: “No drinking – big problem.”). Das gilt aber alles nur für Ausländer.

Aber Moskau besteht ja nicht nur aus dem Roten Platz. Moskau hat viele schnelle (rote) Autos, die besonders gerne schnell innerhalb der Stadtgrenzen gefahren werden, Moskau ist roter Borsch und russische Frauen, die in roten Rosen posen (ein schöner Reim).

Das mit dem Posen ist echt ein Phänomen. Sobald eine Kamera auf die russischen Mädels gerrichtet wird, verwandeln sich diese in posierende Hertie-Models.

Ansonsten fand ich Moskau nicht so spannend wie St. Petersburg. Die Stadt wirkt für meine Begriffe immer noch recht europäisch und fühlt sich einfach wie eine normale (wenn auch sehr große) Großstadt an.

In Moskau habe ich dann Alex kennengelernt, einen dreisprachigen Amerikaner, mit mexikanisch-belgischen Wurzeln, der in der Antarktis arbeitet. Das könnte noch eine interessante Begegnung werden.

P.S.: Um den Roten Faden dieses Artikels zu vervollständigen, habe ich noch eine Entdeckung gemacht: Panflötenspieler auf der Straße ziehen sich ja wie ein roter Faden durch alle Städte der Welt. Auffällig ist aber, dass denen offensichtlich noch keiner gesagt hat, dass die Titanic vor knapp 100 Jahren untergegangen ist, denn alle, wirklich alle spielen immer wieder den selben Song: My heart will go on von Celine Dion. Dann doch lieber ins Gulag-Lager …

So – genug rot gesehen.

Bilder von Moskau gibt’s hier:

http://www.suitcasestories.de/bilder/04_moskau

Thema: Reise, Russland | Kommentare (1) | Autor: Tobi

Wind of Change.

Sonntag, 9. August 2009 8:24

Von wegen kaltes Russland. Als ich in St. Petersburg aus dem Sibellius von Helsinki kommend aussteige, kommt mir unweigerlich folgender Satz in den Sinn:

St. Peterburg. 30°. Die Sonne scheint. Die Frisur hält. Das ganze natürlich in kyrillisch, weil ich die letzten Stunden damit verbracht habe, mir die Buchstaben einzubläuen.

Winter Palast

St. Petersburg ist gelinde gesagt der Wahnsinn. Neben unglaublich vielen tollen Gebäuden und hübschen, kurz berockten, hot bepansten und high geheelten Frauen ist St. Petersburg für mich v.a. auch die Stadt der schönen und sauberen Toiletten.

Ich könnte mich stundenlang über diese Toiletten auslassen, aber ich kann mir vorstellen, dass ihr mehr an den Frauen als an den Toiletten interessiert seid. Falls ihr also mal nach St. Petersburg oder Russland im Allgemeinen kommt und ihr die hübschen Frauen nicht nur ankucken sondern auch kennenlernen wollt, dann habe ich Euch hier ein paar Tipps, mit denen Ihr die gröbsten Fehler vermeiden könnt:

1. Benutze nicht das “Pointer”-Bilderbuch, um dein Interesse an einer Frau zu bekunden.
2. Wenn doch, zeige nicht auf das Tabasco-Bild, wenn du ihr sagen willst, dass sie heiß ist.
3. Sie möchte trotzdem weiter mit dir reden? Dann weise deine neue russische Bekanntschaft nicht darauf hin, dass das was sie trägt, bereits in den 80ern in war.
4. Achte darauf, dass hinter der Frau, die du zum Tanzen aufforderst, kein potenzieller Freund steht – möge sie noch so “tabasco” sein
5. Beschwere dich beim Tanzen nicht über Musik, die in den 90ern aktuell war. Für deine neue Bekanntschaft ist die Musik brandneu.
6. Sei ein Mann. Jammern lässt dich nicht männlicher erscheinen, wenn sie dich unter den Tisch säuft.
7. Sollte die Beziehung weiterführen, störe dich nicht daran, dass deine Frau bald doppelt so alt aussehen wird wie du.

Neben diesen Fallstricken, lauern aber noch weitere Gefahren.

Ist dir etwa ein Barkeeper gewogen, so kommt es vor, dass er mit dir einen Wodka mittrinken will. Spätestens beim dritten Wodka wird er dir dann Einblicke ins harte, oft düstere Leben der langen Winter in St. Petersburg geben. Der Knackpunkt ist nur, dass dein Gegenüber an das Zeug, das die hier Wodka nennen, gewöhnt ist – du aber nicht. Auch hier kann ich nur einen Rat geben: Never trust a dripping Vodka. Wo Öligkeit einen deutschen Obstler qualitativ wertvoll ausweist, so scheint dies beim Wodka nicht den selben Assoziationen hervorzurufen. Da hilft selbst die offerierte katalysierend-wirkende Zitrone nichts. Du kannst am nächsten Tag jedes einzelne Gehirnwindung in deinem Kopf zählen.

Kulturell bietet die Stadt eine Menge. Für mich ist St. Petersburg eine Mischung aus Venedig, Rom und Paris. V.a. die Eremitage kann sich locker mit dem Louvre in Paris messen. Sehr beeindruckt hat mich der Winterpalast, in dem sich bedeutendste Kunstwerke in einem sehr feierlichen Rahmen befinden. Ich hab noch nie so viel geballte Pracht gesehen.

Hier gibts wirklich viel zu sehen, ich kann jedem einen Besuch hier nur ans Herz legen. Was in meinem Fall noch zu erwähnen wäre, ist das gemütliche Hostel (Soulkitchen), in dem ich wirklich nette Leute kennengelernt habe, alle voran die beiden Australier Jeremy und Kat.

Bilder von St. Petersburg gibt’s hier:

http://www.suitcasestories.de/bilder/03_st_petersburg

Thema: Reise, Russland | Kommentare (1) | Autor: Tobi