Beitrags-Archiv für die Kategory 'Reise'

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Montag, 6. Juni 2011 12:09

 

Gefunden in einem Hostel in Puerto Iguazu

Thema: Argentinien, Reise, Shorts | Kommentare (0) | Autor:

Uruguay

Mittwoch, 1. Juni 2011 6:31

Uruguay! Ist das nicht dieser kurze, verschwommene, grüne Streifen, der an deiner Fensterscheibe vorbeisaust, wenn man von Argentinien nach Brasilien fährt? So geht es vielen, die nicht gerade durch eine Buspanne zum Bleiben gezwungen werden. Schade eigentlich, denn die “Schweiz Südamerikas” hat diesen Namen nicht nur aufgrund ihrer Sauberkeit, Sicherheit und ökonomischen Entwicklung verdient. Auch das Preisniveau erinnert stark an den Alpenstaat.

Also nichts wie los, das Schweizer Nummernkonto auflösen und es heißt “Buenos Dias” Uruguay statt “Grüezi Wohl” Schweiz! Man muss dem Treiben in den Straßen schon genau zusehen, um die Unterscheide zwischen Argentinier und Uruguayer zu erkennen. Zum einen deswegen, weil in der Nebensaison in vielen Orten die Bürgersteige hochgeklappt werden und man kaum eine Menschenseele zu Gesicht bekommt. Selbst einstige Partyhochburgen wie Punta del Este mutieren dann zu Geisterstädte. Zum anderen, weil der Uruguayer im Prinzip eine weniger aufgeregte, freundliche Ausgabe des Argentiniers ist, der immer und überall mit seiner Thermosflasche unterm Arm und einer Mate-Tasse in der Hand anzutreffen ist. Absolut Mate-verrückt diese Uruguayer. Man muss sich das etwas so vorstellen, wie wenn nach Italien fährt und dort die Italiener immer und überall mit ihrer Moccachino unterm Arm und einer Tasse Espresso in der Hand durch die Straßen rennen sehen würde.

So schön das Land ist, so wenig kann ich Aufregendes von hier berichten. Kleines Land, kleiner Text.

Etwas interessanter ist da die Geschichte eines älteren Herren, den ich in Montevideo kennengelernt habe:

Ich bin einem Hostel in Montevideo mit Bill, einem 68jährigen Amerikaner aus Seattle, in’s Gespräch gekommen und war von seiner Lebensgeschichte total fasziniert. Er hat mir erzählt, dass er sein Leben lang bei Boeing als Techniker gearbeitet hat und jobbedingt für Jahre im arabischen Raum gelebt hat. Als es endlich Zeit für seine wohlverdiente Rente war, hat er sich erst von seiner Freundin und dann von seinem Haus getrennt. Seine neugewonnene Freiheit investierte er in ein Segelboot und begab sich auf einen mehrjährigen Segeltörn. Seit drei Jahren ist er nun unterwegs, wovon er alleine 5 Monate auf einem Non-Stop-Trip um’s Kap Hoorn verbrachte. Mensch und Maschine waren offenbar für so ein Unterfangen nicht ausgelegt, weswegen er unterwegs ein Segel, die automatische Steuerung und beinahe seinen Verstand verloren hat.
Man muss sich das mal vorstellen: in dem Alter alleine auf hohe See zu gehen, ohne die Möglichkeit sich mit einer Menschenseele zu unterhalten, Kajüte und Klamotten ständig von Salzwasser durchnässt und mit kaum ausreichender Segelerfahrung. Gerade die antarktische See ist ja nicht gerade für tropische Temperaturen und und leichte Brisen bekannt. Da gehört schon viel Mut dazu. Oder eine gehörige Portion Naivität. Einmal ist das Boot von einer starken Welle erfasst worden, so dass er gestürzt ist und sich dabei den Rücken verletzte. Dies hatte zur Folge, dass er die nächsten vier Wochen nur im Sitzen schlafen konnte. Sein Sohn, der seit Monaten nichts von seinem Vater gehört hat, machte sich zwischenzeitlich an seinem Konto zu schaffen, so dass Bill nun auch noch fast pleite ist. Who pays the bill now?

Boot und Halter sind nach diesem Trip sichtlich gealtert, aber zumindest hat er seinen Traum gelebt. Vom Segeln hat er nun allerdings genug. Im Moment versucht er sein lädiertes Schiff auf Vordermann zu bringen, um es anschließend gegen ein kleines Häuschen in Uruguay einzutauschen, um dort seinen Lebensabend zu verbringen.

Bill hat mich für einen Nacht auf sein Boot eingeladen, wo er mir bei einer halben Flasche Scotch seine Geschichte erzählt hat und wir jede Menge Seemannsgarn gesponnen haben. Lange Einsamkeit lässt auch so manche sonderbare Theorie im Kopf sprießen …

Bilder aus Uruguay und vom Boot gibt’s hier:

http://www.suitcasestories.de/bilder/49_uruguay

Thema: Reise, Uruguay | Kommentare (0) | Autor:

Die coolste Bushaltestelle der Welt …

Freitag, 27. Mai 2011 1:39

Gefunden in Foz do Iguaçu (Brasilien)

Thema: Brasilien, Reise, Shorts | Kommentare (0) | Autor:

Jamón y queso.

Donnerstag, 12. Mai 2011 9:43

Jamón y queso. Jamón y queso. Jamón y queso. Den ganzen Tag jamón y queso. Im Flugzeug nach Buenos Aires: jamón y queso. Im Bus nach Patagonien: jamón y queso. Am Kiosk sowieso: jamón y queso. Egal wo man in Argentinien hinkommt, egal was man tut – Schinken und Käse sind immer mit am Start. Jede andere Zutat auf einem Sandwich oder Crossaint (das hier medialuna heißt) ist undenkbar. Jamón y queso ist die Antwort auf alle Fragen, quasi die Zahl 42 Argentiniens. Die verwenden hier jamón y queso auch zum Putzen, als Paartherapeuten oder als Babysitter – ungelogen! Die UNO sollte ernsthaft darüber nachdenken, jamón y queso als Instrument für den Weltfrieden einzusetzen.

Aber ich schweife ab. Zurück zu Argentinien und zum Kulinarischen: jamón y queso ist hier auch die naheliegende Lösung, wenn man Vegetarier ist. Bestellt man etwas sin carne, bedeutet das hier nicht “ohne Fleisch”, sondern nur “ohne Rindfleisch”. Hühnchen, Fisch oder eben jamón y queso sind ja kein Rindfleisch – also rauf auf den Teller. Ganz ohne wäre ja auch irgendwie komisch, oder?

Man kann ihnen ihre Fleischverrücktheit aber auch nicht übelnehmen – argentinisches Fleisch hat einen exzellenten Ruf und das nicht zu Unrecht. Groß genug ist das Land ja, um die (Rind-)Viecher glücklich zu machen und deren Konsumenten zufrieden zu stellen.

Die Argentinier fröhnen aber nicht nur dem exzessiven Verzehr von Fleischprodukten. Es gibt Saures wenn es nichts Süßes gibt. Ganz oben auf der Liste steht für die Schleckermäuler-Nation Dulce de Leche. Das Nutella des Südens ist eine Art Caramel-Creme, die in unterschiedlichster Form auf den Tisch kommt: als Brotaufstrich, Eiscreme, Tortenzutat, Füllung und vieles mehr. Dazu den klassischen Mate (eine immer wieder aufs Neue aufgegossene Art Tee) – und die argentinische Seele ist zufrieden gestellt.

Essen spielt offensichtlich im Alltag der Gauchos eine nicht zu unterschätzende Rolle (quod erat demonstrandum). Aber was treiben die denn sonst noch so? Klar ist (und das weiß ja wirklich jeder), dass der durchschnittliche Argentinier jeden Tag mindestens 2 Stunden vor dem Spiegel verbringt, um sich Gel in das lange, dunkle, lockige Haare zu schmieren, während sich der weibliche Teil der Bevölkerung mit Shopping vergnügt. Es muss ja dem allgemeinen Ruf Recht getan werden, Argentinien habe die hübschesten Frauen der Welt. Na – zumindest die süßesten (siehe oben).

Neben diesen Stereotypen (ob wahr oder nicht), gibt es aber tatsächlich auch kleinere Auffälligkeiten, die helfen, die sonst so europäisch geprägte Nation, von uns zu unterscheiden. Die Argentinier scheinen eine ausgeprägte Vorliebe für lange Schlangen zu haben. V.a. im Supermarkt vor der Kasse oder kurz vor Öffnung der Banken bilden sich diese innerhalb kürzester Zeit. Meine Vermutung ist, dass die Hälfte der Leute einfach nur Schaulustige sind – die sogenannten “Lane-Watcher” –  während die andere Hälfte glaubt, dass es sich hier um eine Münzgeldausgabe handelt. In der Tat trägt dieser grundsätzlichen Mangel an Münzgeld seine eigenen Früchte. Es gibt hier Plätze, wo man Kleingeld kaufen (!) kann, natürlich zu einem höheren Preis als dem eigentlichen Wert.

Das Vorurteil, Argentinier seien selbstverliebt und arrogant, kann ich hingegen nicht bestätigen. Gerade in meiner Zeit in Mendoza, wo ich auf einer Sprachschule war, und der Familie meiner Bekannten in Buenos Aires, habe ich die warmherzige und gastfreundliche Seite des Landes kennenlernen dürfen. Für eine Bestätigung von Stereotypen sorgen da eher die Ausländer. Eine bis zur Unkenntlichkeit geliftete Kanadierin, die sich im Kleinen-Bruder-Syndrom schwelgend bei jeder sich bietenden Gelegenheit über Amerikaner auslässt, eine Österreicherin, die auch als Mann durchgehen hätte können und die lauthals ihr Sexualleben ausbreitet, noch bevor sie mir ihren Namen mitteilt. Oder die Australierin, die jedesmal schon vor dem allwöchentlichen Asado (BBQ) dicht wie ein Scheunentor war. Da lob ich mir doch die Argentinierin, die neben mir im Bus fröhlich mitmurmelnd Rammstein hört und damit – mehr oder weniger – leise gegen jede Art von Stigmatisierung demonstriert.

Hier gibt’s die restlichen Bilder aus Argentinien:
http://www.suitcasestories.de/bilder/48_rest_of_argentina

Thema: Argentinien, Reise | Kommentare (4) | Autor:

Heiße Angelegenheit

Dienstag, 10. Mai 2011 6:19

Gefunden im Bus von Colonia nach Montevideo (Uruguay)

Thema: Reise, Shorts, Uruguay | Kommentare (0) | Autor:

24 Stunden in Santiago de Chile.

Samstag, 30. April 2011 4:17

Santiago de Chile gehört zu den Städten, die einen entweder völlig kalt lassen oder sofort in ihren Bann ziehen. Mich darf man getrost zur zweiten Gruppe zählen. Wer demnächst einen Trip nach Santiago de Chile plant und sich ebenfalls dieser Gruppe anschließen will, sollte seine ersten 24 Stunden in dieser Stadt nach dem folgenden Muster planen:

6:30 Uhr: Ankunft am Busterminal in Santiago de Chile. Damit Du nicht den ganzen Tag mit einer Blase am Ohr rumläufst, solltest du bornierte und anstregenden Amis als Sitznachbar vermeiden.

6:45 Uhr: Sollte dich deine Gutmütigkeit doch in ein aussichtsloses Gespräch verwickelt haben, stürze dich auf den nächstbesten Holländer (naja, vielleicht auf den übernächstbesten – nur um weiteren Kontakt mit dem siechenden Holländer aus Patagonien zu vermeiden) damit du dir ein Taxi zum Hostel teilen kannst.

7:15 Uhr: Geh in ein Hostel im Stadtteil Bellavista. Der Name des Studentenviertels ist Programm: schöne Aussicht auf noch schönere Frauen.

7:30 Uhr: Die frühe Ankunft verhindert einen Check-In in deiner Unterkunft (erst ab 14:30 Uhr möglich). Keine Panik: dies wird der Auftakt zu einer Verkettung von unvergesslichen Erlebnissen. Zunächst aber musst du frühstücken – am Ende des Tages wirst du endlich verstehen, warum das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages ist.

8:00 Uhr: Da du dich nicht schlafen legen kannst, solltest du dir eingehend Gedanken über die Planung des vor dir liegenden Tages machen. Oder du folgst einfach einem Flyer, den zu zufällig entdeckst und gehst auf eine kostenlose Stadttour.

8:30 Uhr: Die U-Bahn ist wirklich idiotensicher. Deswegen wirst du es noch rechtzeitig zum Tour-Start auf die Plaza de Armas schaffen. Fernando – dein Tourguide – wird dir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und geschichtlichen Hintergründe auf interessante Art und Weise näher bringen. Und er wird dich auf all die wichtigen Dinge hinweisen, die nicht in diversen Guidebooks stehen. Auch Dinge, die Du nie wissen wolltest … aber dazu später mehr.

12:30 Uhr: Du solltest dich langsam wieder etwas stärken. Ein Mittagessen mit einem klassischen Pisco Sour hilft Dir in die richtige Spur. Im Spanischen gibt es zwar für die Geschmacksrichtung “sauer” kein richtiges Wort, dennoch werden die Chilenen sauer, wenn du deren National-Getränk nicht wenigstens probierst.

13:00 Uhr: Einen (und wirklich nur einen) Pisco Sour später, solltest Du auf einen Sprung in das “Museo de la Memoria y Los Derechos Humanos” gehen. Hier arbeiten die Chilenen die Zeit unter Pinochet auf. Hochinteressant und absolut nahegehend.

15:00 Uhr: Der lange Tag (und die kurze Nacht) zollen langsam ihren Tribut. Deswegen (und wegen der sehr speziellen Kaffeekultur in Chile) solltest Du einen Abstecher in ein Café machen und den berühmt berüchtigten “Coffee with legs” probieren. Halte einfach Ausschau nach einem Café, in dem überproportional viele männliche Geschäftsleute verkehren und du kannst nichts falsch machen. Der Kaffee ist ziemlich vernachlässigenswert. Mehr Beachtung solltest Du den hübschen, langbeinigen Bedienungen schenken, die dir aufreizend gekleitet Kaffee servieren. Daher also der Begriff “Kaffee mit Beinen”. Und wenn man Glück hat, sitzt du gerade rechtzeitig zur “Happy Minute” im Café. Dann werden die Vorhänge zu- und die Klamotten ausgezogen. Nach einer Minute ist alles wieder beim Alten … kaum zu fassen, dass dies ein festverankerter Teil der chilenischen (Kaffee-)Kultur sein soll.

15:30 Uhr: Schnapp dir den kommunikationsfreudigen Teil der Tour(isten)-Gruppe und gib ein erfrischendes Bier aus. Keine Sorge – im Studentenviertel Bellavista kostet dich das einen Klacks. Dabei kannst Du dir einen Eindruck davon machen, wie schnell man mit Chilenen ins Gespräch kommt. Wenn Du dabei zufällig auf eine kopulationswütige chilenische Ausgabe von Gwen Stefani triffst, tu was ich nicht auch tun würde.

17:30 Uhr: Zum Bier gehört immer auch eine Kleinigkeit zu essen. Insofern ist es äußerst praktisch, dass man auf dieser Partymeile auch billig essen kann. Ist es dir vom billigen Bier noch nicht schlecht, solltest Du folgendes Gericht probieren:

18:00 Uhr: Heute ist die einzige Gelegenheit ein Spiel des wohl bekanntesten chilenischen Fussballclubs Colo Colo live zu sehen? Macht nichts – ab ins Stadion und sich ein Ticket greifen. Dein Team verliert? Gegen irgendeinen Provinzclub? Egal – ein echter Colo Colo-Fanatico feiert sich selbst. Zudem kannst Du die Zeit nutzen und dich ausnüchtern – denn im Stadion herrscht Alkoholverbot (und das aus gutem Grund).

21:00 Uhr: Was, es ist schon neun? Dann aber schnell ins Hostel und einchecken. Duschen, sich in Schale werfen (soweit Du das als Backpacker kannst) und zurück auf die Straße mit Dir, denn um …

22:00 Uhr: … 10 triffst du dich mit deinen neuen Freunden aus der Touristen-Gruppe. Du kannst erst von dir behaupten, Santiago richtig gesehen zu haben, wenn du einen “Terremoto” im La Piojera, der abgehalftesten Kneipe Santiagos, getrunken hast. “Terremoto” bedeutet Erdbeben und genauso verhält sich das kühle Nass auch. Ein übler Mix aus Rotwein, Pisco, Ananas-Eis und einem Schuss Grenadine. Wichtiger Hinweis: benutze die Toiletten bevor 22 Uhr, alles andere wäre fahrlässig. Ach es ist ja schon fast 11 …

23:00 Uhr: Dein Magen ist noch voll in Schuss, könnte aber etwas Abwechslung zum vorausgegangen Erdbeben gebrauchen? Na dann nichts wie hin zum nächsten Imbiss-Stand und ran an den Speck. Die hier angepriesenen Sandwiches heißen “As”. Fälschlicherweise werden sie oft auch “Ass”  geschrieben, weswegen sich “We just go and grab some ass …” schnell in deiner Alltagssprache etablieren wird. Egal wie – lecker sind sie allemal.

23:30 Uhr: Müde? Ach was – siehst du diesen Comedy-Salsa-Tanz-Club auf der anderen Straßenseite? Das sieht doch vielsprechend aus – also nichts wie rein. Der Standup-Comedian nimmt auch gewiss keine Rücksicht auf deine sensible Ausländer-Seele und füllt mit dir als Zielscheibe des Spotts die nächsten 10 Minuten seines Programms. Das kommt Dir Spanisch vor? Macht nix –  weitere 10 Minuten später muss auch er den Platz für die Salsa-gierige Zuschauergruppe räumen. Nur keine Scheu, die Chilenen haben auch keine – also rauf auf’s Parkett und tanzen bis die Lichter ausgehen.

3:30 Uhr: Völlig durchgeschwitzt, mit Blasen an den Füßen, aber mit einem Lächeln auf den Lippen, verläßt du den Schuppen. Die andere Hälfte des Nachtlebens spielt sich auf der Straße ab. Also spielst du mit …

5:30 Uhr: Die Müdigkeit ist stärker als die Faszination für diese Stadt? Dann wird’s Zeit die Akkus wieder aufzuladen. Du stolperst Richtung Hostel und fällst in dein Bett. Wenn Du das Schnarchen deines Zimmergenossen als Surren der nimmermüden Stadt interpretierst, hast du alles richtig gemacht. Du solltest jetzt schlafen – der nächste Tag hat wieder 24 Stunden.

Hier gibt’s Bilder aus Santiago de Chile:
http://www.suitcasestories.de/bilder/47_santiago_de_chile

Thema: Chile, Reise | Kommentare (1) | Autor:

Alte Bekannte.

Donnerstag, 28. April 2011 11:55

Nachdem man zusammengerechnet 140 Stunden im Bus verbracht und die Grenze zwischen Argentinien und Chile zum sechsten mal überquert hat, lernt man vor allem drei Dinge: Erstens: Patagonien ist verdammt groß. Zweitens: Verdammt – ist Patagonien groß. Und drittens: Verdammt noch mal ist Patagonien groß. Allerdings ist das Land (verdammt nochmal) nicht groß genug, um manch touristischem Wiedergänger aus dem Weg zu gehen. Ständig läuft man den selben Menschen über den Weg. Was manchmal zwar ganz nett ist, stellt sich im Falle eines sonderbaren, trippergeplagten Holländers eher als wiederkehrendes Übel heraus. Ob am Busterminal, in diversen Hostels oder beim Schlendern durch eine Stadt – man kann darauf wetten, dass Tripper-Boy einem auch dieses mal wieder über den Weg läuft.

Auch die Flucht bis ans Ende der Welt (Fin del Mundo) hilft nicht – der “siechenden Holländer” lässt einen nicht entkommen. Ist man schon einmal da, kann man auch gleich mal nachsehen, ob die Erde wirklich rund oder doch flach wie eine Scheibe ist. Man lehnt sich dann einfach an das Geländer (das am Rand angebracht ist) und sieht, dass es hier fast wie zuhause aussieht. Vom Hostel, das von einer Freiburgerin, die in Konstanz studiert hat, gemanagt wird, über Häuser, die im Schwarzwälder-Stil (oder so ähnlich) gebaut sind bis hin zu Spätzle und Gulasch in der Pils-Stub’n – der Einfluss der deutschen Einwanderer ist unübersehbar.

Wem das zu viel Heimat ist, der packe seinen Rucksack und verliere sich in der Natur Patagoniens. In meinem Fall war das eine Dreitages-Tour durch den Nationalpark “Torres del Paine”. Neben einer traumhaften Szenerie erwartet einen hier auch die Grenzen seiner eigenen Leistungsfähigkeit – Blasen am Fuß inklusive. Die kann man dann bei 2 Grad und Schnee in der Nacht kühlen – Zeit genug dafür hat man ja, weil an Schlafen nicht zu denken ist. Dennoch lohnt sich das Ausharren. Denn das Sonnenaufgangsspektakel, das man beim letzten Aufstieg zu den Torres am nächsten morgen zu sehen bekommt, entschädigt für jeden vergossenen Tropfen Schweiß. Beschwingt durch so viel Natur ist der Abstieg dann ein Klacks und selbst das Erblicken eines schwitzenden Holländers mit bekanntem Gesicht (und ebenso bekanntem Problem) auf dem Weg zur nächsten “Ruhestätte” wird mit stoischer Ruhe und unendlicher Geduld ertragen.

Geduld und innere Zufriedenheit sind Dinge, die man auf dem Weg durch Patagonien erlernt. Diese neugewonnene Fähigkeit kann sich in unterschiedlichen Formen ausdrücken. Man lernt 3,5 Stunden auf einen Gletscher zu starren, ohne gelangweilt zu sein. Oder man quält sich sechs Stunden lang auf einen 2800 Meter hohen Vulkan hoch, um am Gipfel angekommen in ein stinkendes Loch zu schauen und dabei bei akuter Atemnot Frühlingsgefühle zu entwickeln. Auch einfache Unterhaltungen zwischen Patagonienreisenden werden für Außenstehende zu Beispielen völliger Ausgeglichenheit und Hinnehmens (“Nimmst du auch den Bus nach Bariloche?” “Ja, sind ja nur 20 Stunden …”).

Ja man kann sogar soweit gehen und die effizienten und komfortablen Busse Argentiniens und Chiles als fahrende Tempel der Ruhe zu bezeichnen. Sich in den breiten Business-Class-Sesseln bei Wein, Whiskey und warmer Mahlzeit niederzulassen und dabei in transzendale Welten abzugleiten ist ein Erlebnis für sich. Zur vollendeten Meditation tragen dann auch die eingespielten Filme auf den omnipräsenten Bildschirmen bei, die bei voller Lautstärke in Endlosschleife laufen. Als Sandmännchen wird dann ab 8 Uhr abends ein kleiner Horrorstreifen abgespielt, der den Kleinen an Bord beim Einschlafen helfen soll. Titel des Films: “Jack the Tripper” (mit holländischen Untertitel natürlich).

http://www.suitcasestories.de/bilder/46_patagonia

Thema: Argentinien, Chile, Patagonien, Reise | Kommentare (5) | Autor:

Wie im Märchen …

Sonntag, 24. April 2011 15:29

Thema: Chile, Patagonien, Reise, Shorts | Kommentare (0) | Autor:

Woody

Donnerstag, 7. April 2011 8:48

Gefunden in Bariloche (Argentinien)

Thema: Argentinien, Patagonien, Reise, Shorts | Kommentare deaktiviert | Autor:

Arrrrrrrrrrrrrrriba!

Samstag, 2. April 2011 12:07

In letzter Zeit erlebte ja, dank der Holywood-Strähne Brad Pitt, ein alter Bekannter wieder sein Comeback: der Schnauzer. In manchen Regionen der Welt war er jedoch noch nie out. In Mexiko zum Beispiel. Ein Zeichen dafür, dass die Mexikaner sich lieber erstmal zur Siesta in den Schatten eines Kaktus legen, bevor sie sich von irgendwelchen schnelllebigen Trends aus der Ruhe bringen lassen. Auch bei anderen Trends zeigen die Mexikaner Zurückhaltung. Allein der Gedanke an ein angeblich mexikanisches Modegetränk, dass Bier- mit Tequila-Geschmack verbindet, lässt einen echten Mexikaner nur angewiedert “Caramba!” rufen.

Dann schon eher einen Schoppen Pulque. Das milchig-schmierige Agaven-Getränk, das wahlweise auch mit diversen mehr oder weniger geschmackvollen Zusätzen serviert wird, findet v.a. beim José-Normal-Mexikaner Anklang. Diesen wiederrum findet man in der Kneipe um’s Eck, wo er sich in Ruhe und unbehelligt von jeder Political Correctness mit seinen Compañeros Toreo-Kämpfe im allgegenwärtigen Fernsehen ansehen kann. Zeigt der Matador nicht die gewünschte Leistung, kann sich die Aufmerksamkeit schnell auf den “zufällig” ebenfalls in der Kneipe seine Pulque schlürfenden Gringo (mich) richten. Hier zeigt sich dann die wahre Natur des Mexikaners: freundlich, mit einer Portion derbem Humor ausgestattet und am Ende in seinem Realitätssinn doch melancholisch.

Driftet die Stimmung zu weit ab, widmet man sich einem weiteren Getränk, das ebenfalls aus der “Jahrhundertpflanze” gewonnen wird: dem Mezcal. Dieser sorgt dann sprichwörtlich – wenn nicht gerade wieder mit irgendwelchen Zusätzen versehen – für mehr Klarheit.

So viel Durchblick ist nur mühsam zu ertragen und sollte schnellstmöglich mit ein paar Tacos, Burritos, Enchiladas oder Tortas relativiert werden. Man kann viel über die Mexikaner sagen, aber kulinarisch lassen sie nichts anbrennen. Die immer gleichen Zutaten – nämlich Bohnen, Fleisch und Salsa – werden in die unterschiedlichsten Teigwarenvarianten gepackt. Dass diese Form der Cocina sich beim ein oder anderen auf die Figur niederschlägt, ist offensichtlich. Dies wiederum kann für einen normalgebauten europäischen Amigo (wie mich) dramatische Konsequenzen haben. Eine achtstündige Reise in einem Nachtbus von Mexico City nach Oaxaca trägt so zum interkulturellen Austausch im besonderen Maße bei. In den Bussitzen, die allen Anschein nach nicht für mexikanische Dimensionen konstruiert wurden, kann man sich so wirklich “näherkommen”. So eingeklemmt, mit einer Backe an der Scheibe klebend, lässt sich die nächtliche Aussicht auf die vorübergleitende mexikanische Landschaft genießen. Und der Soundtrack wird vom schnarchenden Nachbarn gleich mitgeliefert.

Endlich angekommen, kann man dann die neugewonnene Freiheit in vollen Zügen genießen und sich voll auf die an Höhepunkten reichen Kultur Mexikos stürzen. Ob versteinerte Wasserfälle, bunte Kolonial-Städte, wunderschöne Strände, den größten Baum der Welt (präsentiert von mit Spiegeln ausgestatten und unter Drogen stehenden Kindern – fragt nicht … ) oder die schier unglaubliche Anzahl an Museen – in Mexiko ist für jeden was dabei. Oder man besucht eine der unausprechlichen Ruinenstädte. Einlass wird einem nur dann gewährt, wenn man den Namen “Teotihuacán” dreimal hintereinander fehlerfrei aufsagen kann. Acht Stunden Busfahrt zum Üben reichen gerade so.

Bilder aus Mexiko gibt’s hier:

http://www.suitcasestories.de/bilder/45_mexico

Thema: Mexico, Reise | Kommentare (1) | Autor: