Beitrags-Archiv für die Kategory 'Mongolei'

Alles hat seine Grenzen.

Freitag, 25. September 2009 9:12

Es macht immer einen guten Eindruck, wenn man in ein Land kommt und zunächst einmal 5 Stunden lang in einen Zugwagon gesperrt wird, bei geschlossenen Fenstern und – v.a. für die Frauenfraktion noch schlimmer – bei geschlossenen Toiletten. So geschehen beim Fahrgestellwechsel der Transmongolischen Eisenbahn an der Grenze der Mongolei zu China. Man muss sich ja eh fragen, was das ganze Theater soll. Da werden alle Wagons in speziell für den Fahrgestellwechsel vorgesehene Hallen gekarrt, um mit speziell für den Fahrgestellwechsel vorgesehenen Hebebühnen von ihren Fahrgestellen abgehoben zu werden um danach wieder auf für die neue Spurgröße passende – richtig! – Fahrgestelle aufgesetzt zu werden. Auf die Idee, einfach die Meute in einen anderen Zug umsteigen zu lassen, sind die Chinesen wohl noch nicht gekommen. Haben sie sich wohl nirgends abschauen können …

Es wärmt einem auch das Herz, wenn die feinen Herren Soldaten mit professionell-finsterem Blick durch die Züge streifen, um die Temperatur per Infrarot bei jedem Reisenden zu messen. Ja die Schweinegrippe scheint auch hier angekommen zu sein. Und wer weiß schon, mit was für Geviech der europäische Tourist in der Mongolei, dem kulinarischen Mekka Asiens, in Berührung gekommen ist.

“Wärst halt daheim geblieben …”, denkt sich da der ein oder andere. Und – ehrlich – beinahe hätte ich auch alles hingeschmissen. Hätte mir da nicht Väterchen Zufall ein Schnippchen geschlagen. Im Nachbarabteil haben sich nämlich fünf Konstanzer Chinesisch-Studenten, die auf dem Weg zu Ihrem Praktikum nach Shanghai waren, eingenistet. Wenn da keine heimatlichen Gefühle aufgekommen. Da steh ich nun ich armer Tor und bin so weit als wie zuvor (frei nach Goethe).

Krisen bieten ja bekanntlich auch Chancen. Man muss die Chancen nur erkennen und zugreifen. Bzw. gut vorbereitet sein. In meinem Fall verhalf mir ein Multifunktionstool der Extraklasse (Danke Doctor Blues) zum Held des Wagons Nr. 11 im Zug Nr. 24 zu avancieren. Nach dem Motto “Fenster auf, (Klo-)Türe auf, lass den Gefühlen freien Lauf” konnte so das allgemeine Wohlbefinden der Reisenden deutlich gesteigert werden. Mit leeren Blasen und frisch gefüllten Lungen konnte dann die Weiterreise nach Peking angetreten werden.

Damit endet die Transibirische / Transmongolische Route und damit Teil 1 meiner Reise.

Bilder vom letzten Teil gibt’s hier:

http://www.suitcasestories.de/bilder/10_transsib_ulanbator_beijing

Thema: China, Mongolei, Reise, Transsibirische Eisenbahn | Kommentare (0) | Autor:

Spaghetti, Spaghetti, Spaghetti.

Donnerstag, 3. September 2009 9:15

Ok – das mit der wundersamen Nahrungs-Vermehrung klappt jetzt auch. Und es ist auch noch ganz einfach. Hier eine Kurzanleitung zum Nachmachen:

1. Singe “Spaghetti, Spaghetti, Spaghetti” bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Du kannst natürlich auch ein anders Nahrungsmittel auswählen.

2. Erkläre das Konzept des “Running Gags” deinen Begleitern. (für weiterführende Informationen könnt ihr mich gerne per Mail kontaktieren …)

3. Bereichere jede Konversation, ob Du beteiligt bist oder nicht, mit dem Einwurf “Spaghetti?” Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

4. Treibe das Spiel auf die Spitze (immer die Klimax im Auge) bis dich deine Begleiter nahezu lynchen. Hier ist es wichtig das richtige Maß zu finden.

5. Gehe aufs Klo und warte ab.

Du wirst in Deinem Rucksack wie durch ein Wunder kiloweise Spaghetti vorfinden. Auch Wochen später findest Du die italienische Nudel selbst in Ecken, deren Existenz Dir bisher unbekannt waren.

spaghetti

Thema: Mongolei, Shorts | Kommentare (3) | Autor:

Into the wild.

Mittwoch, 2. September 2009 9:04

Ich habe glaube ich ein neues Hobby gefunden. Ich gehe unter die Sammler und werde Jesus. Ja – wirklich. Ich sammle im Moment Menschen, wie andere Schulden. Ich wusste bisher nicht, dass ich diese Fähigkeit habe, aber im Laufe der letzten Wochen und Monate habe ich in Hochphasen bis zu sieben Leute auf einmal um mich geschart. Dabei nehme ich in meiner liberalen Art und Weise keine Rücksicht auf Nationalität oder Geschlecht. Ich habe jetzt auch angefangen mit der wundersamen Lebensmittelvermehrung. Das klappt leider noch nicht ganz so, wie ich mir das vorstelle – aber ich bleibe dran.

Eine neue Gruppenkonstellation gabs dann auch bei meinem zweiten Versuch, aus Ulan Bator rauszukommen. Neben dem altbewährten englischen Pärchen Natalie und Steven gesellen sich nun die Engländer Ben und Jack zu unseren Trip in den Terelj-Nationalpark. Da sowohl Nat und Steve als auch ich keinen Bock mehr auf jegliche Form von Ziegen-, Stuten- oder Yak-Milch in den unterschiedlichsten Konsistenzen und Ausprägungen haben und schon beim bloßen Gedanken an den Geruch das Weite suchen, beschließen wir einen selbstorganiserten Trip mit Zelt und Lagerfeuer zu machen.

Was nun folgt ist ein klassischer Tagebucheintrag über diese drei wunderschönen Tage, draußen in der Natur, mit allem was dazugehört:

18.08.2009, Dienstag: Ankunft Terelj-Nationalpark. Regen. Lesen, Denken, Wandern. Keine besonderen Vorkommnisse.

19.08.2009, Mittwoch: Wunderschönes Wetter. Lesen. Denken. Wandern. Keine besonderen Vorkommnisse.

20.08.2009, Donnerstag: Wunderschönes Wetter. Lesen. Denken. Wandern. Keine besonderen Vorkommnisse. Abreise nach Ulan Bator.

Sorry, aber so langweilig kann Reisen manchmal auch sein. Ich fand’s gut :-)

Bilder vom zweiten Trip gibts hier:

http://www.suitcasestories.de/bilder/09_mongolei_tour02

P.S.: Dem Milchgeschmack bin ich leider nicht entkommen. Im Gepäckabteil des Bus ist eine Kanne Airag ausgelaufen und mein gieriger Rucksack hat sich im Unverstand von oben bis unten vollgesau(g)t. Somit habe ich für die nächste Zeit als weiteren Begleiter den Jurten-Geruch um mich. So kanns gehen …

Thema: Mongolei, Reise | Kommentare (1) | Autor:

Mongolia – wie es singt und lacht.

Dienstag, 1. September 2009 18:13

mongolei_tour01_pan

Der Unterschied zwischen einer Jurte in der Mongolei und einem bayerischen Bierzelt ist manchmal kleiner als man denkt. Das hat mehrere Gründe:

Da wäre zum Beispiel die beiderseitige Freude an traditioneller Kleidung zu nennen, die sich sogar noch steigert, wenn diese vom fremdländischen Besuch getragen wird. Wer glaubt, die Mongolen wären freudlose, biedere Menschen, der lasse sich durch die angehängten Bilder eines Besseren belehren. Selten habe ich so aufgeschlossene und gastfreundliche Menschen getroffen wie auf meiner ersten Tour ins Landesinnere. Auch der derbe Humor ist durchaus mit dem der Bayern zu vergleichen. Und wenn nix mehr hilft, dann wird der Schmoizler ausgepackt.

mongolia_tour01_080

Gemessen an der Anzahl der anwesenden Enzyme ist auch der Alkoholkonsum in etwa mit dem der Bayern zu vergleichen. Ausgestattet mit dem vollen Set an Enzymen ist es somit wie auf der Wiesn: die Bayern verlassen das Fest auf geradem Wege, während sich der Rest in mehr oder weniger umständlicher Weise der Schwerkraft zu entziehen versucht.

Auch die Töne, die aus solch einem Zelt (Jurte) klingen, sind durchaus vergleichbar. Eine alte Tradition der Mongolen (wie Bayern) ist es, die gute Stimmung durch abwechselndes Singen traditionellen Liedguts und Trinkens traditioneller Trinkwaren (in diesem Fall Airag und selbstgebrannter Wodka) weiter zu heben. Und wenn man dann ganz genau hinhört, dann kann es sein, dass einem so vertraute Töne wie “Das Kufsteinlied” entgegen schallen. Genauso wie im bayerischen Bierzelt wird dann von den Massen eine Zugabe eingefordert. Und dann, aber nur dann kann man die zarte Stimme eines Bayern erkennen, wie er zuerst leise und dann immer lauter, weil selbstbewusster, echtes bayerisches Liedgut zum Besten gibt. Ich weiß aus sicherer Quelle: “Drunt’ in der grünen Au” bringt garantiert jede Jurte zum kochen. Da kann selbst das finnisch-britisch Joint Venture mit “Hey Jude” nichts mehr ausrichten.

Neben all den Gemeinsamkeiten, darf man aber auch die Unterschiede nicht ganz außer acht lassen. Die Sprachen Mongolisch und Bayerisch mögen sich im Promille-Bereich vielleicht ähnlich anhören, sind aber an sich grundverschieden. Auch die Größe der beiden Länder unterscheidet sich beträchtlich. Das bedeutet: man ist auf so einer Tour ziemlich abhängig von seinen Guides und den dazugehörigen Fahrern. Wenn die sich aber ebenfalls den weltlichen Genüssen des Selbstgebrannten hingeben, kann das zu unvorhersehbaren Ereignissen führen.

In unserem Fall bedeutet dies, dass wir, nach dieser äußerst authentischen “Haarschneide-Zeremonie” (das ist so wie bei uns die Firmung), irgendwo in der mongolischen Steppe verloren gegangen sind, da beide Fahrer sich nicht mehr ihres Gleichgewichtssinns bemächtigen konnten (darum heißen die ja auch Fahrer und nicht Läufer) und sich unsere Führerin das Ganze nochmals durch den Kopf gehen lassen musste. In dieser Situation heißt es dann kühlen Kopf bewahren und auf die Sensibilität, Weisheit und Erfahrung eines korpulenten, etwa 55-jährigen Kanadiers vertrauen. Scharfgeistig und zielsicher nimmt er die Situation in seine fleischigen Hände und tut das, was jeder, aber auch jeder in so einer Situation tun würde. Er nimmt sich die Führerin zur Seite, sucht sich ein lauschiges Plätzchen und pimpert mal wieder so richtig nach Herzenslust. Richtig so: In solchen Situationen hilft kein Reden mehr – hier müssen Taten folgen.

Der Rest der Gruppe, der nicht über diese interkulturellen Verständigungskompetenzen verfügt, widmet sich simpleren Aufgaben: progressives Führen von Dialogen mit ausschließlich mongolisch sprechenden Fahrern, Ausgleichen enzymbedingter Unpässlichkeiten durch Cola und Kekse oder Wiederauffinden von abhanden gekommenem Guide inklusive Anstand.

Genau wie daheim, braucht es dann einen besonnen, bayerischen Dickschädel, um die Emotionen wieder runterzukühlen. Nach langer Diskussion bewegt sich die Karawane dann weiter – bestückt mit zwei neuen Fahrern und dem eben genannten bayerischen Dickschädel als Prellbock im Kompetenzgerangel zwischen neuem Fahrer und altem Fahrer in der Kabine. Dass das einer gewissen Komik nicht entbehrt, kann man sich glaube ich ganz gut vorstellen.

Meine neue Aufgabe bestand also darin, zwischen einem etwas zur Melodramatik neigendem Hollywood-Amerikaner und einem betrunken (Bei-)Fahrer eine Art Barriere aufzubauen. Selten habe ich so flüssiges Mongolisch gesprochen und dabei so viel komprimierten Müll gelabert, nur um den Mongolen davon abzulenken, sich die Schlüssel zu schnappen bzw. ins Fahrgeschehen einzugreifen. Und selten war Urlaub so anstrengend.

Wie das eben so mongolischer Brauch ist, irrt man dann so lange in der einsetzenden Finsternis umher, bis man dann auf dem Weg zur nächsten Jurte in der Unendlichkeit der mongolischen Steppe verloren geht. Der Veranstalter hat dabei aber immer fest die Klimax im Auge – die Touries sollen ja schließlich auf ihre Kosten kommen. Da wird also mitten in der Nacht wahllos eine auf dem Weg liegende Jurte angesteuert und die darin schlafende Kinder an den Beinen herausgezogen, damit das aufbegehrende Touristen-Pöpel ein Dach über dem Kopf bekommt. So machen die das also hier. Von denen können wir Bayern echt noch was lernen.

Bilder von meiner ersten Tour ins mongolische Outback (Ger To Ger) gibt’s hier:

http://www.suitcasestories.de/bilder/08_mongolei_tour01

Thema: Mongolei, Reise | Kommentare (3) | Autor: