Bolivien
Dienstag, 5. Juli 2011 10:39
Bolivien hat eine sonderbare Art seine Gäste zu begrüßen. Gleich hinter der Grenze wird man von einer freundlichen Lebensmittelvergiftung in Empfang genommen. Das ist besonders dann ein freudiges Ereignis, wenn man sich gerade auf dem Sprung zu einer 4-Tages-Tour durch die Anden-Region des Landes befindet. Löst man sich schließlich aus ihrem (Würge-)Griff, nimmt einen sicher gleich das nächste Begrüßungskommitee in seine Arme: die Höhenkrankheit. Die Symptome dieses Leidens manifestieren (oder besser vaporisieren) sich in Form von wirklich ausgedehnten Blähungen. Die Angst irgendwann sprichwörtlich zu platzen trägt nicht gerade zur bitter nötigen Entspannung bei. Also viel Luft um nichts?
Nicht ganz – auch das Atmen fällt einem auf einer Höhe von ca. 4000 Meter deutlich schwerer (und um dem gleich vorzubeugen: nein – nicht der Flatulenz wegen). Um das Triumvirat der Gebrechen zu vervollständigen, holt man sich am besten noch eine Erkältung ins Haus. Das ist aufgrund der höhenbedingten Kälte und der ganz sicher nicht für solche klimatischen Umgebungen geeigneten Ausrüstung des Reisenden auch überhaupt kein Problem.
Entsprechend mental und physisch vorbereitet, kann man sich mit Haut und Haar in die Hände der Hexe seines Vertrauens ergeben. Der ideale Ort hierfür ist der Hexenmarkt in La Paz. Dort werden einem allerhand abstruse Gewürzmischungen und -mittelchen unter die Nase gehalten. Der ganze Hokus-Pokus trägt zumindest zur Aufhellung des Gemüts bei. Wenn allerdings gar nix mehr hilft, dann rate ich (und meine Hexe) dazu, sich ein Lama-Fötus zu kaufen, welches man unterm Haus (respektive Hotel) vergräbt. Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn.
Allen denjenigen, die nicht an die Macht der alternativen Medizin glauben, lege ich nahe, einfach mal nach Potosi zu fahren, um sich dort eine noch voll im Betrieb befindliche Silber-Mine anzuschauen. Die Melange aus klaustrophobischen Gefühl, das sich unweigerlich beim Krabbeln durch die engen Tunnel einstellt, und der Anblick der dort vorzufindenden Arbeitsbedingungen sollte selbst für eingefleischte Hypochonder als Schocktherapie ausreichend sein.
Wenn alle Stricke reißen, gibt es nur noch drei Möglichkeiten:
1. Man kauft sich eine Flasche des dort gern gesehenen (und noch viel lieber getrunkenen) 96-prozentigen Alkohols, trinkt ihn selbst oder opfert ihn “El Tio”, dem Schutz-Gott der Minenarbeiter. Damit die Therapie auch anschlägt, sollte man sich dazu immer ein paar Coca-Blätter hinter die Backen schieben.
2. Man stürzt sich mit seinem Mountain-Bike die weltbrühmte, 60km lange Death-Road hinunter. Aber das wäre ja zu einfach.
3. Oder man kauft sich eine Stange Dynamit auf dem “Miners-Market” und stellt sicher, dass man sich wenigstens mit einem ordentlichen Knall aus Boliven verabschiedet.
Bilder aus Bolivien gibt’s hier:
Thema: Bolivien, Reise | Kommentare (0) | Autor: Tobi

