Endlich zuhause … oder? (Teil 1)
Dass 7 Monate in Asien nicht spurlos an einem vorbei gehen, merkt man spätestens dann, wenn man wieder in einem vermeintlich westlich geprägten Land ankommt. In den ersten Tagen nach der Ankunft überwiegt zunächst Langeweile. Auckland ist auf den ersten Blick sauber, ruhig und unspektakulär. Vermutlich auch deswegen, weil die zuletzt besuchten asiatischen Städte genau das Gegenteil davon waren.
Neben Langeweile macht sich aber auch ein Gefühl der Erleichterung breit: die Leute heben beim Laufen ihre Füße, was zur Folge hat, dass man sie nicht schon aus 50 Metern Entfernung unmotiviert daherschlorpen hört. Man wird nicht ständig von Leuten angelabert, die einem etwas auf’s Auge drücken wollen. Im Alltag verläuft der Umgang mit Ausländern auf Augenhöhe und man muss sich nicht ständig überlegen, ob man gerade über’s Ohr gehauen wurde (und wenn doch, dann merkt man es wenigsten nicht so schnell …). Soweit fühlt sich fast alles wie im alten Europa an und auch die Tatsache, endlich wieder einen festen Wohnsitz zu haben, verstärkt das Gefühl (zumindest temporär), wo angekommen zu sein.
Im Alltag gibt es dann doch die ein oder anderen Unterschiede, die man eben erst dann feststellt, wenn man längere Zeit an einem fremden Ort gelebt hat.
Der Neuseeländer an sich ist ein eher relaxter Zeitgenosse. Wer wie ich schon einmal in Australien gewohnt hat und die “laid-back”-Mentalität von dort kennt, wird überrascht sein, dass er diese hier bis zur Perfektion getrieben vorfindet. Das muss wahrscheinlich auch so sein, wenn man fern ab von jeglicher weltpolitischer Brisanz und Relevanz lebt. Davon kann man sich ein Bild machen, wenn man sich die Nachrichten im staatlichen Fernsehen ansieht: aus Mangel an echten Ereignisse, wird die Vorstellung des neuen Rugby-WM-Songs zum Ereignis des Tages hochstilisiert, nur noch gefolgt von der erfolgreichen Rettung eines Kätzchens aus der Krone eines (hoffentlich einheimischen) Baumes in Takapuna.
Mit ähnlicher stoischer Ruhe begegnen die Neuseeländer auch dem Winter. Während wir Ausländer in der Stadt einfach an Jacke, Schal und langen Hosen leicht zu identifizieren sind, läuft der Kiwi-Normal-Bürger immer noch mit Flip-Flops oder sogar barfuß, mindestens aber in kurzen Hosen und T-Shirt doch die zugigen Straßen Aucklands. Die Tatsache, dass bei den meisten Kiwis die Frage nach einer Zentralheizung ein ähnliches Fragezeichen auf die Stirn hervorruft, wie der Name “Whakapapa” (gesprochen Fakapapa) bei den meisten Ausländern, vervollständigt das Bild diesbezüglich.
Apropos Namen: an die Bezeichnungen für Regionen, Städte, Dörfer oder Straßen gewöhnt man sich überraschenderweise schnell, auch wenn diese manchmal eher nach einer Aufforderung an ein Kleinkind zur Durchführung des Stoffwechsels erinnern (“Tutukaka”) als an eine wunderschön gelegene Küstenstadt. Sie zeugen davon, dass die Neuseeländer das Zusammenleben mit den Maori zumindest verhältnismäßig gut arrangiert haben und sich die Ureinwohner nicht wie in Australien oder Amerika eher am Rande der Gesellschaft befinden. Das fällt besonders auch im Alltag auf: während man in australischen Städten die Aborigines meistens vom Alkohol betäubt an Straßenecken rumhängen sieht, trifft man hier ob in der Bank, auf der Post oder im CBD gerade auch im Geschäftsleben ständig auf Maori. Und auch die Tatsache, dass Maori neben Englisch als offizielle Landessprache geführt wird, zeigt, wie weit die Neuseeländer in diesem Punkt den Australiern voraus sind.
Was man allerdings nicht in jedem Punkt von Neuseeland behaupten kann … (Fortsetzung folgt)
Bilder von Neuseeland gibt’s hier: