Good Morning Vietnam.

Vietnam ist das (wahre) Land des Lächelns, auch wenn man nicht immer auf Anhieb den Grund für die gute Laune sieht. Die naheliegende Theorie, die der westliche Tourist sich ersinnt, ist die, dass den realativ armen Vietnamesen nichts anderes übrig bleibt als das Leben mit Humor zu nehmen.
Meine persönliche Theorie allerdings differnziert zwischen einem intrinsischem und einem extrinsischem Ansatz:
Ich denke, dass die Vietnamesen zum einen im Grunde Ihres Herzens alle noch Kinder sind und nur ein bisschen spielen wollen. Ihnen sitzt ein unbändiger Schalk im Nacken, der bei jeder möglichen (und unmöglichen) Gelegenheit herunterhüpft und sich einen neuen Spielpartner sucht.
Zum anderen liefern Ihnen die westlichen Touristen genügend Gelegenheiten dazu. Man muss sich nur auf eine Bank in Hanoi oder Saigon setzen und den touristischen Frischlingen (erkennt man ganz einfach an der khakifarbenen Kleidung, hunderte von Hosentaschen und einem bescheuerten Schlapphut) beim Überqueren der Straße zusehen. Jeder der schon mal da war, weiß was ich meine …
Mit Humor kann man auch nur das neukoloniale Verhalten mancher Westler ertragen. Heutzutage wird ein Land zwar nicht mehr von eroberungswütigen und fremden Kuluren gegenüber ignoranten Europäern unterworfen, dafür machen sich im eigenen Land offensichtlich sozial unfähige und unattraktive Männer über die Schönheiten Vietnams her und sichern sich so die “natürliche” Hierarchie der Kulturen und ihren Status als Kolonialherren.
Ein weiteres Beispiel, das ich wirklich nur dem vietnamesischen Humor zuordnen kann, ist die Tatsache, dass man ständig auf Straßenhändler trifft, die einem die selben Sonnenbrillen, Souveniers oder Feuerzeuge verkaufen wollen, die dir fünf Meter zuvor bereits 50 andere andrehen wollten. Ein echter Spießrutenlauf. Hätte ich alle Feuerzeuge mit Hoh Chi Minh-Konterfei gekauft, die mir auf dem Weg durchs Old Quarter in Hanoi angeboten wurden, hätte mich das FBI bestimmt als “kommunistisch auffällig” eingestuft und nach Guatanamo verschleppt. Was für ein Spaß.
Kommt dann aber mit den Vietnamesen ins Gespräch, werden einem immer wieder die drei selben Fragen gestellt:
1. Are you single? married?
2. Wanna Bum Bum?
3. Wanna Smoke? Cocaine?
4. Wanna buy lighter?
Egal bei welcher der drei Fragen man mit “ja” antwortet, man verbrennt sich immer die Finger, entkommt nur schwer den Klauen des Touristenfängers und man ist danach einen Haufen Kohle los.
Was sonst noch in die Hose gehen kann, veranschaulicht das folgende Beispiel: versucht mal ein Paar Flaschen vom vietnamesischen Schlangen-Wein (rượu rắn) per Post außer Land zu schaffen. Der freundliche Postbeamte öffnet das Paket, schaut sich lächelnd den Inhalt an und entscheidet mit einem Schmunzeln, dass das Zeug nicht über die Grenze darf. Selbst ein tiefer Griff in die Tasche (100 000 Dong = ca. 3 Euro) hilft nicht. Statt eines Freundes freut sich nun also eine einäugige Bettlerin über geschmeidige Haut und einen Wohlfühl-Rücken. Dafür sollen die in Alkohol eingelegten Reptilien nämlich gut sein.
Auf dem Weg zum Flughafen meine ich in der Ferne ein mir bekanntes Geräusch zu vernehmen. Ich bin mir sicher ein schallendes Gelächter zu vernehmen, nämlich das des Postbeamten und der Bettlerin, die bei einer Flasche Schlagenwein zusammen sitzen und sich über mich kaputt lachen. Dafür ist das Zeug also auch gut …
Bilder von Vietnam gibt’s hier:
http://www.suitcasestories.de/bilder/25_vietnam_norden
http://www.suitcasestories.de/bilder/26_vietnam_mitte_und_sueden