Alles hat seine Grenzen.

Es macht immer einen guten Eindruck, wenn man in ein Land kommt und zunächst einmal 5 Stunden lang in einen Zugwagon gesperrt wird, bei geschlossenen Fenstern und – v.a. für die Frauenfraktion noch schlimmer – bei geschlossenen Toiletten. So geschehen beim Fahrgestellwechsel der Transmongolischen Eisenbahn an der Grenze der Mongolei zu China. Man muss sich ja eh fragen, was das ganze Theater soll. Da werden alle Wagons in speziell für den Fahrgestellwechsel vorgesehene Hallen gekarrt, um mit speziell für den Fahrgestellwechsel vorgesehenen Hebebühnen von ihren Fahrgestellen abgehoben zu werden um danach wieder auf für die neue Spurgröße passende – richtig! – Fahrgestelle aufgesetzt zu werden. Auf die Idee, einfach die Meute in einen anderen Zug umsteigen zu lassen, sind die Chinesen wohl noch nicht gekommen. Haben sie sich wohl nirgends abschauen können …

Es wärmt einem auch das Herz, wenn die feinen Herren Soldaten mit professionell-finsterem Blick durch die Züge streifen, um die Temperatur per Infrarot bei jedem Reisenden zu messen. Ja die Schweinegrippe scheint auch hier angekommen zu sein. Und wer weiß schon, mit was für Geviech der europäische Tourist in der Mongolei, dem kulinarischen Mekka Asiens, in Berührung gekommen ist.

“Wärst halt daheim geblieben …”, denkt sich da der ein oder andere. Und – ehrlich – beinahe hätte ich auch alles hingeschmissen. Hätte mir da nicht Väterchen Zufall ein Schnippchen geschlagen. Im Nachbarabteil haben sich nämlich fünf Konstanzer Chinesisch-Studenten, die auf dem Weg zu Ihrem Praktikum nach Shanghai waren, eingenistet. Wenn da keine heimatlichen Gefühle aufgekommen. Da steh ich nun ich armer Tor und bin so weit als wie zuvor (frei nach Goethe).

Krisen bieten ja bekanntlich auch Chancen. Man muss die Chancen nur erkennen und zugreifen. Bzw. gut vorbereitet sein. In meinem Fall verhalf mir ein Multifunktionstool der Extraklasse (Danke Doctor Blues) zum Held des Wagons Nr. 11 im Zug Nr. 24 zu avancieren. Nach dem Motto “Fenster auf, (Klo-)Türe auf, lass den Gefühlen freien Lauf” konnte so das allgemeine Wohlbefinden der Reisenden deutlich gesteigert werden. Mit leeren Blasen und frisch gefüllten Lungen konnte dann die Weiterreise nach Peking angetreten werden.

Damit endet die Transibirische / Transmongolische Route und damit Teil 1 meiner Reise.

Bilder vom letzten Teil gibt’s hier:

http://www.suitcasestories.de/bilder/10_transsib_ulanbator_beijing

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Autor: Tobi
Datum: Freitag, 25. September 2009 9:12
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