Wind of Change.
Von wegen kaltes Russland. Als ich in St. Petersburg aus dem Sibellius von Helsinki kommend aussteige, kommt mir unweigerlich folgender Satz in den Sinn:
St. Peterburg. 30°. Die Sonne scheint. Die Frisur hält. Das ganze natürlich in kyrillisch, weil ich die letzten Stunden damit verbracht habe, mir die Buchstaben einzubläuen.

St. Petersburg ist gelinde gesagt der Wahnsinn. Neben unglaublich vielen tollen Gebäuden und hübschen, kurz berockten, hot bepansten und high geheelten Frauen ist St. Petersburg für mich v.a. auch die Stadt der schönen und sauberen Toiletten.
Ich könnte mich stundenlang über diese Toiletten auslassen, aber ich kann mir vorstellen, dass ihr mehr an den Frauen als an den Toiletten interessiert seid. Falls ihr also mal nach St. Petersburg oder Russland im Allgemeinen kommt und ihr die hübschen Frauen nicht nur ankucken sondern auch kennenlernen wollt, dann habe ich Euch hier ein paar Tipps, mit denen Ihr die gröbsten Fehler vermeiden könnt:
1. Benutze nicht das “Pointer”-Bilderbuch, um dein Interesse an einer Frau zu bekunden.
2. Wenn doch, zeige nicht auf das Tabasco-Bild, wenn du ihr sagen willst, dass sie heiß ist.
3. Sie möchte trotzdem weiter mit dir reden? Dann weise deine neue russische Bekanntschaft nicht darauf hin, dass das was sie trägt, bereits in den 80ern in war.
4. Achte darauf, dass hinter der Frau, die du zum Tanzen aufforderst, kein potenzieller Freund steht – möge sie noch so “tabasco” sein
5. Beschwere dich beim Tanzen nicht über Musik, die in den 90ern aktuell war. Für deine neue Bekanntschaft ist die Musik brandneu.
6. Sei ein Mann. Jammern lässt dich nicht männlicher erscheinen, wenn sie dich unter den Tisch säuft.
7. Sollte die Beziehung weiterführen, störe dich nicht daran, dass deine Frau bald doppelt so alt aussehen wird wie du.
Neben diesen Fallstricken, lauern aber noch weitere Gefahren.
Ist dir etwa ein Barkeeper gewogen, so kommt es vor, dass er mit dir einen Wodka mittrinken will. Spätestens beim dritten Wodka wird er dir dann Einblicke ins harte, oft düstere Leben der langen Winter in St. Petersburg geben. Der Knackpunkt ist nur, dass dein Gegenüber an das Zeug, das die hier Wodka nennen, gewöhnt ist – du aber nicht. Auch hier kann ich nur einen Rat geben: Never trust a dripping Vodka. Wo Öligkeit einen deutschen Obstler qualitativ wertvoll ausweist, so scheint dies beim Wodka nicht den selben Assoziationen hervorzurufen. Da hilft selbst die offerierte katalysierend-wirkende Zitrone nichts. Du kannst am nächsten Tag jedes einzelne Gehirnwindung in deinem Kopf zählen.
Kulturell bietet die Stadt eine Menge. Für mich ist St. Petersburg eine Mischung aus Venedig, Rom und Paris. V.a. die Eremitage kann sich locker mit dem Louvre in Paris messen. Sehr beeindruckt hat mich der Winterpalast, in dem sich bedeutendste Kunstwerke in einem sehr feierlichen Rahmen befinden. Ich hab noch nie so viel geballte Pracht gesehen.
Hier gibts wirklich viel zu sehen, ich kann jedem einen Besuch hier nur ans Herz legen. Was in meinem Fall noch zu erwähnen wäre, ist das gemütliche Hostel (Soulkitchen), in dem ich wirklich nette Leute kennengelernt habe, alle voran die beiden Australier Jeremy und Kat.
Bilder von St. Petersburg gibt’s hier:
Donnerstag, 20. August 2009 12:42
Du hast bisher ganz schön viele Leute mit lustigen Frisuren kennen gelernt, wie man sieht.