Helsinki is hell!
In Tampere wurde ich in die Lebensart der Finnen eingeführt. In Helsinki bekomme ich nun die multikulturelle Seite Finnlands zu sehen. Gerade mal 2% beträgt der Anteil an Immigranten, und diese 2% finden sich zum Großteil in Helsinki wieder.
Schon bei der Ankunft spüre ich: diese Stadt hat etwas Besonderes. Kann natürlich sein, dass ich noch vom Luxus bzw. von der Reinlichkeit der finnischen Züge geblendet war. Die haben sogar eine eigen Handy-Kabine in jedem Wagon.
Ich hatte das große Vergnügen von der quirrligen Emmi, der Schwester von Jari abgeholt zu werden und das noch größere Vergnügen, bei ihr und ihrem Mann Firo die nächsten Tage verbringen zu dürfen. In diesen 5 Tagen wurden mir die Vorzüge der finnischen Sauna näher gebracht. Die finnische Sauna ist in der Regel ca. 25qm groß, hat eine Küche (Sauna-Ofen) und ein Bad (Aufguss) und einen knauzigen, haarigen Teppich namens “Milli”. Da sagt einer in Finnland sei es kalt. In der Wohnung muss es mindestens 35° haben. Und lüften geht nicht, weil sonst der Flokati abhaut. Helsinki is hell!
Helsinki ist vor allem hell! Denn auch hier merkt man die Nähe zum Polarkreis. Es ist echt schwer der Sonne Gute Nacht zu sagen. Glaubt mir – ich habs ausprobiert – mehrfach!
Offensichtlich sind auf die Idee, das auszuprobieren, auch die Helsinkianer gekommen. Die horden sich nämlich bei schönem Wetter in Herden in den Parks und gucken, ob die Sonne auch wirklich nicht untergeht. Das ist sehr lustig anzusehen, wenn 500 Leute zusammengepfercht in den sonnigen Plätzen sitzen und der Rest des Parks leer bleibt. Aber wer kann ihnen die Suche nach Wärme (im doppelten Sinn) verdenken – nach so einem langen, kalten Winter …
Etwas mehr Wärme hätte nicht geschadet, als ich mit Firo zum Nachtfischen gegangen bin. Er und seine arabischen Kumpels verbringen fast jede freie Minute draußen auf dem Wasser. Nachtfischen hat (bis auf die Kälte) schon seinen Reiz, muss ich sagen. Die Fische beißen wie wild, das Panorama der Stadt ist atemberaubend und die Mädels am Ufer tanzen extra für uns besoffen Cha Cha Cha. Die hat’s wohl auch gefroren.
Richtig warm ist es mir dann aber am nächsten Abend geworden. Nicht etwa, weil wir in einem Gay-Club tanzen waren und bei Aiman (Firos Kumpel) seine libanesischen Pferde durchgingen, indem er die Hüften geschwungen hat, dass jede morgenländische Bauchtänzerin vor Ehrfurcht den Bauch eingezogen hätte. Nein – vielmehr, weil mir ein zugedröhnter Inder beim späteren Kebab-Essen angedroht hat, sein Messer in den Rücken zu rammen (Zitat:” What about a knife in your ass …”). Das kommt davon, wenn man sich den Arsch, ähm das das Maul (zu) weit aufreißt.
Eine andere thermische Erfahrung war das Picknick auf der Insel Suomenlinna, im Hafen Helsinikis. Das ist ein wunderschöner Ort, wenns schön Wetter ist. Wenn nicht, ist das immerhin eine sehr finnische Erfahrung. Ich habe mir die finnische Erfahrung nicht nehmen lassen …
Genug der warmen Worte, der nächste Abschnitt meiner Reise führt mich ins kalte Russland. Denn:
Finish is not the end.
Bilder zu Helsiniki gibts hier: