Echte Männer.

baikal

Jeder der mich kennt, weiß dass ich eine absolute Sportskanone bin. Ich lebe Sport, ich liebe Sport, ich bin Sport. Deswegen möchte ich euch hier einmal an einem dieser für mich typischen Tage voll sportlicher Ertüchtigung teilhaben lassen. Heute auf dem Programm: Eine Fahrradtour für Beginner zum gelben See der Mannesstärke auf der Insel Olchon im Baikalsee – ein kleines Protokoll wahrhaftiger Männlichkeit:

Teilnehmer:
A (Alex – der Amerikaner)
S (Sophie – die Polin)
N&S (Natalie & Steve – das englische Paar)
TB (das bin ich – Name v. d. Redaktion geändert)

11.03 Uhr: TB betritt vor Testosteron strotzend das “Rent a Bike”-Center der Insel Olchon. A und N&S folgen in vorsichtiger Demut.

11.25 Uhr: Die Auswahl der Fahrräder belustigt TB. Er entscheidet sich für den Typ “Iron Man” – wer braucht schon Stoßdämpfer.

11.33 Uhr: Um 500 Rubel erleichtert, steuert TB den nächsten Supermarkt an um das fehlende Gewicht in seinem Geldbeutel durch Wasserflaschen auszugleichen. Essen und Sonnenschutz packen nur Schwächlinge ein.

11.50 Uhr: S stößt zur Gruppe hinzu.

12.05 Uhr: Aufbruch

12.15 Uhr: Erste Bergetappe: TB hält 50m Abstand zum führenden A – natürlich aus reiner Höflichkeit.

12.30 Uhr: Pause am Gipfel des Berges. TB wehrt sich vehement dagegen, leider zwecklos.

12.40 Uhr: S und N&S erreichen den Gipfel. Zumindest im Wettbewerb um die rötesten Köpfe liegen N&S vorne.

13:00 Uhr: der erste Abstieg beginnt. TB führt das Feld frei von jeder Emotion an.

13:08 Uhr: Bergetappe 2: TB hält aus Gründen der Motivation seines Mitfahrers einen Abstand von 200 m zu A. Die Führung der Gruppe scheint A zu beflügeln.

13:27 Uhr: vehementer Protest TBs gegen die Pause am zweiten Gipfel. TB argumentiert mit Darwins Gesetzen – zwecklos.

13:45 Uhr: S erreicht den zweiten Gipfel. N&S beenden die Tour als Sieger in der Wertung um die rotesten Köpfe. Die Rotskala des Bewertungsbogens wird um die Farbe Infrarot erweitert.

14.17 Uhr: Bergetappe 3: TB muss aufgrund von schlechter Straßenverhältnisse schieben. Das ist ein Skandal. Nicht, dass die zusätzliche Erschwernis TB beeindrucken würde – er möchte nur professionelle Rahmenbedingungen vorfinden.

14.35 Uhr: Bei der erneut unfreiwilligen Pause am Gipfel diskutieren A und TB eine Klage vor dem zuständigen Sportgericht wegen unzumutbarer Straßenverhältnisse.

14.57 Uhr: TB wird beinahe Opfer eines herannahenden Busses. TB beschliesst zu schieben. Scheinbar bebt die Erde, denn TBs Beine zittern.

15.18 Uhr: Abfahrt mit hohem Tempo. TB erreicht nahezu Lichtgeschwindigkeit.

15.23 Uhr: Bergetappe 4: TB schiebt sein Fahrrad, um das Material zu schonen.

15.46 Uhr: Ein Eingeborener bestätigt die virile Wirkung des angesteuerten Sees. Noch 30 Minuten zum Ziel (nach russischer Zeitrechnung).

16:10 Uhr: TB schiebt, da sich Gang 3 und 4 verabschiedet haben. Materialschonung ist alles. TB ist stolz auf seine taktische Leistung.

16:18 Uhr: TB denkt, während er schiebt, über Chuck Norris nach.

16:31 Uhr: TB schiebt.

16:35 Uhr: TB lässt A einen Vorsprung von 436 m. TB spielt seine gesamte Menschenkenntnis aus. Er weiß wie man Menschen motiviert.

16:59 Uhr: TB merkt bei der letzten Abfahrt in gewohnt hohem Tempo, dass seine Haut der Belastung solch hoher Geschwindigkeiten nicht gewachsen ist. Seine Haut färbt sich aufgrund der Reibung am Wind zusehends rot.

17:13 Uhr: Ankunft am See der Manneskraft. Die Gelbfärbung des Sees empfindet TB als angenehme Ergänzung zu seiner immer deutlicher hervortretenden rötlichen Hautfarbe. TB ist der erste im Wasser. Die Wassertemperatur beträgt mindestens – 27° C – aber Kälte ist kein Gegner für TB.

17.35 Uhr: Aufbruch

17.38 Uhr: Bergauf muss TB sein Fahrrad schon wieder schieben. Die Gegend ist einfach landschaftlich zu schön, um an ihr vorbeizurauschen.

17.45 Uhr: der Höflichkeitsabstand zu A beträgt 723 m.

18.03 Uhr: der Höflichkeitsabstand zu A beträgt 1230 m.

18.27 Uhr: A, S und TB entscheiden sich die skandalösen Straßenverhältnisse hinter sich zu lassen und querfeldein zu fahren.

18.58 Uhr: TB schiebt sein Rad, um die reizvolle Landschaft zu würdigen. Der Höflichkeitsabstand beträgt 1,5 km. Motivation ist alles.

19.34 Uhr: zurück auf der regulären Straße. Die Klageschrift wegen amateurhafter Straßenverhältnisse treibt nun auch TB die Röte ins Gesicht.

20.15 Uhr: TB schiebt nun auch auf geraden Stücken. Die Landschaft ist unbeschreiblich.

20.45 Uhr: TB nutzt das leuchtende Rot seiner Haut, um Kinder bei der einsetzenden Dunkelheit sicher über die Straße zu bringen.

21.00 Uhr: A erreicht das Ziel.

21.35 Uhr: TB erreicht das Ziel mit einem Abstand von 3,5 km auf A.

21.45 Uhr: S erreicht das Ziel.

TB ist natürlich Sieger der Herzen. Er möchte seinen “Sieg” (schweigsam wie er ist) im Stillen genießen.

Bilder von der Insel Olchon und dem Baikalsee gibt’s hier:

http://www.suitcasestories.de/bilder/07_insel_olchon

Tags »

Autor:
Datum: Donnerstag, 27. August 2009 5:58
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Reise, Russland

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

5 Kommentare

  1. 1

    ja ja, so kennt ma da tobbi… immer hilfsbereit und voller sozialer kompetenz!! U ROCK!!!

  2. 2

    Es lebe der Sieger, also der in Rot
    Sensationeller Bericht, dein journalistischer Höhepunkt – so far
    der
    DOD

  3. 3

    15:19 TB erreicht wahnsinnige Geschwindigkeit
    15:20 TB erreicht Mopsgeschwindigkeit

  4. 4

    Großartig!

    Ich schlage offiziell vor, den Spitznamen “Chuck” für Tobbi zu installieren.

  5. 5

    Auch eine Möglichkeit, eine Niederlage zu verpacken. Schnulllller!!!!

Kommentar abgeben