Der rote Faden.

Die Corporate Identity dieser Stadt hat mich schwer beeindruckt. Ich habe selten eine Stadt so sehr mit einer Farbe verbunden wie Moskau.

Für mich ist Moskau rot.

Rot zieht sich durch dieses Stadt wie der sprichwörtlich rote Faden. Das fängt schon beim Zug an, mit dem ich aus St. Petersburg angekommen bin: Der legendäre Rote Pfeil. Der macht seinem Namen auch alle Ehre. Zum einen kommt man ziemlich schnell an (gerade mal 8 Stunden) zum anderen ist alles an diesem Zug rot. Rote Betten, roter Teppich, rote Lackierung, rote Gedanken … Die eigentliche Besonderheit bei diesem Zug ist aber, dass man von einer Kapelle mit russischen Weisen am Bahnhof empfangen wird. Klingt gut oder?

Die Zugfahrt selbst hat mir Dimitri verkürzt, ein leicht angetrunkener 30jähriger Moskauer, der auf dem Heimweg von seiner Familie war. Er war so nett und hat sein ziemlich angestaubtes Englisch für mich ausgepackt.

Der Grundton dieser Unterhaltung war folgender:

1. Du bist verrückt, dass du in deinem Alter noch keine Kinder hast.

2. Du bist verrückt, weil du nach Sibirien fährst.

3. Du bist verrückt, weil du das machst und kein Russisch kannst.

4. Du bist verrückt.

Die Unterhaltung war zwar recht begrenzt (“My English is weak, but your Russian is worse.”), aber wir haben es doch fertig gebracht über alles Mögliche uns auszutauschen. Um mir wenigstens den Start in Moskau zu vereinfachen, ist er mit mir zu meiner Metro-Station gefahren und hat sich dann kopschüttelnd und mit einem Lächeln, das ich bei den Russen noch öfters zu sehen bekommen werde, verabschiedet.

Ich bin mir sicher, dass ich meine Metro-Station auch selbst gefunden hätte. Ich hätte ja nur dem roten Faden, ähm der roten Metro-Linie folgen müssen, die nebenbei bemerkt auch noch am Moskauer Highlight, dem Roten Platz vorbei kommt. Ich hab gelesen, dass das Wort “rot” im altrussischen auch “schön” bedeutet und deswegen der Rote Platz eigentlich “Schöner” Platz heißen müsste. Ich glaube aber, dass das mit dem Rot schon seine Richtigkeit hat. Man wird nämlich ziemlich rot, wenn man zu lange vor dem Roten Platz in der Sonne liegt. Ich hab’s selber ausprobiert. Ehrlich!

Zum Glück ist die Polizei aber sehr um das Wohl seiner ausländischen Gäste besorgt. Das äußert sich dann so, dass man einen Springerstiefel in die Rippen gehauen bekommt, wenn man zu lange vor sich hindöst (Zitat: “No sleeping”). Das ist sozusagen Hautkrebsvorsorge auf Russisch. Das Trinken von Bier auf dem Roten Platz fällt auch in das Raster solcher Präventiv-Maßnahmen für Ausländer (Zitat: “No drinking – big problem.”). Das gilt aber alles nur für Ausländer.

Aber Moskau besteht ja nicht nur aus dem Roten Platz. Moskau hat viele schnelle (rote) Autos, die besonders gerne schnell innerhalb der Stadtgrenzen gefahren werden, Moskau ist roter Borsch und russische Frauen, die in roten Rosen posen (ein schöner Reim).

Das mit dem Posen ist echt ein Phänomen. Sobald eine Kamera auf die russischen Mädels gerrichtet wird, verwandeln sich diese in posierende Hertie-Models.

Ansonsten fand ich Moskau nicht so spannend wie St. Petersburg. Die Stadt wirkt für meine Begriffe immer noch recht europäisch und fühlt sich einfach wie eine normale (wenn auch sehr große) Großstadt an.

In Moskau habe ich dann Alex kennengelernt, einen dreisprachigen Amerikaner, mit mexikanisch-belgischen Wurzeln, der in der Antarktis arbeitet. Das könnte noch eine interessante Begegnung werden.

P.S.: Um den Roten Faden dieses Artikels zu vervollständigen, habe ich noch eine Entdeckung gemacht: Panflötenspieler auf der Straße ziehen sich ja wie ein roter Faden durch alle Städte der Welt. Auffällig ist aber, dass denen offensichtlich noch keiner gesagt hat, dass die Titanic vor knapp 100 Jahren untergegangen ist, denn alle, wirklich alle spielen immer wieder den selben Song: My heart will go on von Celine Dion. Dann doch lieber ins Gulag-Lager …

So – genug rot gesehen.

Bilder von Moskau gibt’s hier:

http://www.suitcasestories.de/bilder/04_moskau

Tags »

Autor: Tobi
Datum: Sonntag, 9. August 2009 10:04
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Reise, Russland

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Ein Kommentar

  1. 1

    Hallo (Tawarisch),
    Dem Weltenbummler scheint es gut zu gehen,
    herrlich Dich auf deiner Reise via blog zu begleiten. Da packt einen glatt das Fernweh (nette Beschreibung für positiven Neid). Mir fällt auf immer wenn ich dich neben den Stadtbilder, mal mit Menschen sehe ist der Herr am trinken, schnäpseln etc. von der Arbeit hab ich noch nie ein Beweisfoto gesehen :-)
    Gruss
    DOD

Kommentar abgeben