Ich bekenne mich schuldig.
Ja – ich habe es getan. Ich habe 3 kg Übergepäck an der misstrauischen (und leicht überforderten) Flugbegleiterin vorbeigeschmuggelt. Ich denke das ist das Schlimmste was man bei Ryan Air machen kann – außer vielleicht aufs Klo gehen und nicht bezahlen.
Man darf bei Ryan Air 15 kg Gepäck aufgeben und 10 kg Handgepäck bei sich tragen. Das macht zusammen 25 kg. Hat man (so wie ich) zu viel dabei, hat man am Check-In noch die Möglichkeit sein Gepäck umzuschichten (oder 15 Euro pro Kilo extra bezahlen). Allerdings werden beim besten Willen aus 28 kg einfach keine 25 kg. Man kann jetzt einfach ein paar besonders schwere Unterhosen rauswerfen oder man geht den Weg, den alle gehen, die an ihren Unterhosen hängen: Den Weg in die Kriminalität. Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere als Übergewichtsdealer ist entschlossenes Auftreten, schnelle Auffassungsgabe und lange Beine. Zugegebenermaßen habe ich keine langen Beine, aber einen zügigen Schritt (den ich der verdutzten Kontrolleurin vorführen konnte).
So schnell wird man also zum Kleinkriminellen. Ich bin mir nicht sicher, ob sich mein übergewichtiger Sitznachbar darüber auch im Klaren war.
Überhaupt: Ryan Air ist eine echte Erfahrung wert. Eingepfercht zwischen einem deutschen Pärchen, das am Bilderrätsel der Bild-Zeitung verzweifelt und grantig dreinschauenden Finnen werden dir überteuerte Getränke von blaubeschürzten Frauen angeboten, die in der Bahnhofstoilette besser aufgehoben wären als in einem Flieger.
Aber auch die Bahn hat so einiges zu bieten. Ich bin in Ulm gestartet und dann nach Frankfurt gefahren. In meinem Abteil haben die Mitarbeiter der freundlichen Bahn (oder andersrum?) für eine ausgedehnte Foto-Session aufgebaut. Im Mittelpunkt eine hübsche Anfang-20jährige, die sich “ganz natürlich” bewegen sollte. Versuch das mal, wenn du von gefühlten 2000 Augen angestarrt wirst.
Übrigens: wenn ihr das nächste mal den Zug nehmt und die Zeit totschlagen müsst, dann empfehle ich Euch einen Bick in die Hochglanzillustrierte “Bahn Mobil”. Da könnt ihr dann auf das dort bald abgebildete Mitropa-Model zeigen und sagen: “Der, der da nicht auf dem Bild zu sehen ist, das ist der Tobi.”
Fasziniert von so viel Eleganz habe ich dann gleich mal einen kleinen Umweg über Bonn genommen und bin dann mit etwas Verspätung in Frankfurt eingetroffen. Ich hatte von Frankfurt bisher ein eher indifferentes Bild, was sich nun grundlegend geändert hat. Für mich ist Frankfurt ab jetzt die Stadt, in der einem die Kellner gerne mal in den Geldbeutel greifen.
In Frankfurt durfte ich netterweise bei Dani, der Freundin von Alex übernachten (Vielen Dank Dani!). Sie wurde Zeuge, als ich mein letztes Deutsches Bier auf deutschem Boden zu mir nahm: ein Schneider Weisse Original auf dem Maintower. Offensichtlich hat es sich bereits rumgesprochen, dass ich diese Reise mache und für mich deutsches Bier bald flüssiges Gold sein wird. Der Goldpreis ist ja zur Zeit ziemlich hoch und die Verfügbarkeit gering. In meinem Fall bedeutet das: 5,50 € für 0,33 l Weissbier.
Na denn Prost!