Hölkynkölyn!

Willkommen in Finnland!

Finnland ist das Land, in dem die Wahrscheinlichkeit einen Gothic zu treffen höher ist als einen Lappen. Hier sagen dir Mintuu und Tervaschnapsi “Gute Nacht”. Finnland ist das Land, wo jeder Satz einer Umlautorgie gleicht. Das führe ich allerdings weniger auf ethymologische Gründe als auf den erhöhten Alkoholkonsum dort zurück. Den Leuten hier ist es gelungen Urinieren in der Öffentlichkeit gesellschaftsfähig zu machen, ja sogar zu einer Art finnischen Livestyle zu stilisieren. Außerdem ist Finnland ein Land, in dem das Wetter schneller wechselt als du epäjärjestelmällisyydellistyttämättömyysellänsäkäänköhän sagen kannst.

Meine Erlebnisse mit Ryan Air hab ich ja schon ausgiebig geschildert. Mein erster Eindruck von Tampere (immerhin die drittgrößte Stadt Finnlands) war zugegebenermaßen etwas belustigend. Ich war glaube ich noch nie auf einem so winzigen Flughafen. In Deutschland nennt man sowas Flugplatz. Ich hatte etwas Angst, dass das Kofferband unter dem Gewicht meines Rucksacks zusammenbricht.

Jaqueline und Jari (bei denen ich untergekommen bin) halfen mir aber, diesen ersten Eindruck schnell zu revidieren. Sie zeigen mir, dass Tampere mehr zu bieten hat. Heavy Metal Karaoke zum Beispiel. Oder das Tammer Festival, das zu dem Zeitpunkt, als ich dort aufgeschlagen bin, viele Bands und viele Fans in die Stadt gebracht hat.

Oder Doris. In Doris war ich mehrmals.

Ein Schelm, wer übles dabei denkt. Doris ist natürlich nicht meine neue finnische Freundin, sondern eine Bar, die ich (wie zuvor schon Tampere) ziemlich unterschätzt habe. Hier wird der Rock’n'Roll noch gelebt. Hier kann man noch “durchdrinkende” Gespräche führen, Frauen beleidigen und immer wieder auf jemanden treffen der auch mal ein paar Brocken Deutsch spricht. Außerdem kommt man zwar normalerweise nicht betrunken rein, dafür kommt man aber garantiert betrunken raus. Besonders, wenn man – wie ich – einen trinkfesten Schweden (Pekka – der Cousin von Jari) als Kompanion dabei hat.

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A propos Deutsch: Es ist schon faszinierend, wie gut alle dort Englisch sprechen. Selbst im Mc Donalds wird man wie selbstverständlich auf Englisch bedient. In Deutschland undenkbar. Da wird man höchstens auf Türkisch gefragt, ob man eins aufs Maul will, weil man versehentlich die Mutter des Burgerbrutzlers beleidigt hat.

Wie schon angedeutet, war auch musikalisch einiges geboten. Bei PMMP, eine finnische singende Pop-Rockband, die vermutlich dort einen Status hat wie bei uns Grönemeyer durfte ich live hören (listen  to the lyrics). Oder die Don Johnson Bigband, die so eine Art Crossover-Reggae-Metal-Volksmusik-Independent-Poprock-Hiphop-Sound fährt. Der Höhepunkt dieses Abends war die menschliche Beatbox, die in der Pause gespielt hat. Und natürlich Pippi Langstrumpf, die die Band mit einem Synthi-Akkordion begleitet hat.

Kulinarisch gibt es hier auch einige Besonderheiten. Salmiaki Kossu zum Beispiel. Mann nimmt einfach ien paar Lakritz-Pastillen und zermörsert diese. Das Ganze wird dann in eine Flasche Vodka gefüllt, geschüttelt nicht gerührt und sehr kühl getrunken. Oder Leipäjuusto, so eine Art Brotkäse mit Marmelade. Sehr lecker. Gegrillten Halloumi-Käse kann ich auch nur wärmstens empfehlen. Oder meine neue Leidenschaft für Munkkis (finnische Donuts), die mein schwedischer Gefährte Pekka ebenso exzessiv mit mir teilt.

Nach so viel kulturellem und kulinarischen Ergüssen, möchte ich natürlich auch die sportliche Seite Finnlands beleuchten. Sehr populär ist hier Frisbee-Golf. Dafür gibt es eigene 9-Loch-Golfplätze, auf denen man mit einer harten und einer weichen etwas kleineren Frisbee versucht, den Tiger Woods zu mimen. Oder auch Mitternachts-Mini-Golf ist sehr zu empfehlen. Da wartet man bis die Bahn geschlossen hat und geht dann anschließend mit eigener Ausrüstung los und versucht möglichst den Ball zu treffen. Das wird dann mit zunehmender Dunkelheit auch immer schwieriger, auch wenn es zugegebenermaßen recht lange dauert, bis es dunkel wird. Was diesen Sportarten gemein ist, ist die Tatsache, dass man dafür eigentlich nur eine Hand braucht. In der anderen steckt nämlich eine kühle Dose Bier.

Mehr Bilder von Tampere gibt’s hier zu sehen:
http://www.suitcasestories.de/bilder/01_tampere

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Autor: Tobi
Datum: Montag, 13. Juli 2009 14:26
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Ein Kommentar

  1. 1

    sag, ist das jetzt die stylischte, von IKEA gesonsorte BigBrother-WG, oder die lockerste Agentur in ganz Tampere, was sag ich ganz Finnlands?

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